Karriereende : Abschied nach 200 Rollen

Brigitte Peters im Malsaal des Schweriner Theaters
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Brigitte Peters im Malsaal des Schweriner Theaters

Heute ist die Schweriner Schauspielerin Brigitte Peters in „Romeo und Julia“ zum letzten Mal als festes Ensemblemitglied des Mecklenburgischen Staatstheaters zu erleben – sie geht in den Ruhestand

svz.de von
12. Juli 2014, 07:48 Uhr

„Komisch.“ Nicht nur einmal sagt Brigitte Peters dieses Wort, wenn sie an die Zeit denkt, deren Rhythmus nicht mehr das Theater bestimmen wird. Diese Zeit beginnt morgen.

Heute spielt Brigitte Peters noch einmal die Amme in der „Romeo und Julia“-Inszenierung im Schweriner Dom-innenhof. Danach könnte es „komisch“ werden. Sie hätte ihren Vertrag mit dem Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin gern noch um ein Jahr verlängert. Aber? „Ich bin vielleicht ein Teil des Sparplans…“

Brigitte Peters gehört noch zu der heute seltenen Garde von Schauspielern, die ihr ganzes Arbeitsleben an einem Theater spielten. An die 200 Rollen in 43 Jahren. Unvorstellbar.

Geboren in Greifswald, in Wismar zur Schule gegangen und dort auf der Werft gelernt, an der Schauspielschule in Rostock studiert, mit 22 Jahren dann das Engagement am Schweriner Theater – die Koordinaten ihrer norddeutsch dominierten Biografie. „Es hat Vorteile, über so viele Jahre an nur einem Haus zu arbeiten. Ich habe so viel gespielt, das reicht für drei Kolleginnen. Und ich bin auch stolz, so lange gewollt und gemocht worden zu sein.“

Ein Gespräch mit Brigitte Peters kommt einem Parforceritt durch das Who is Who des Schweriner Theaters gleich: Gert Jurgons, ihr erster Schauspieldirektor, die erste Inszenierung – Regie Wolfgang Engel. Dann die Ära Christoph Schroth mit den heute legendären Inszenierungen von den „Antike-Entdeckungen“ bis zum „Faust“.

Damals, in den 80er-Jahren, durfte das erfolgreiche Schweriner Schauspiel viel reisen. Brigitte Peters kann noch heute die Jahre und Gastspiele aufzählen: Theater der Nationen Nancy, Wiener Festwochen, Delphi, Rom, Westdeutschland und Westberlin, eine lange Österreich-Tournee mit „Guten Morgen, Du Schöne“… „Ich hatte oft ein schlechtes Gewissen, weil andere Griechenland nie zu sehen bekommen würden.“ Im Volksliederabend sang das Schauspielensemble später „Es kann ja nicht immer so bleiben“ – auch am Abend, als die Mauer fiel.

„So richtig gefordert habe ich mich erst nach der Wende gefühlt“, sagt Brigitte Peters. Und nennt Rollen wie die Katharina in „Der Widerspenstigen Zähmung“, die Maria Stuart, Frau John in Hauptmanns „Ratten“. Müsste sie eine Lieblingsrolle nennen, und wir bestehen darauf, wäre das die Marquise Merteuil in dem Zweipersonenstück „Quartett“ von Heiner Müller, in dem sie gemeinsam mit Gottfried Richter brillierte. Leider wurde dieses Stück schon bald wieder abgesetzt, was eine Schauspielerin natürlich ärgert.

Brigitte Peters musste sich in ihrer Karriere oft ärgern. Jüngst erst wieder über Reaktionen auf die geniale „König Ubu“-Inszenierung. „Warum“, so die Peters, „ist das Schweriner Publikum selten bereit, sich auf Neues einzulassen?“ Jüngere reagierten da viel unbefangener, scheinen weniger als die Älteren an Fernsehrealismus auf der Bühne interessiert. „Das ist schon manchmal entmutigend. Nach unserer ,Biberpelz‘-Aufführung ist das Publikum beim Theatertreffen in Berlin ausgeflippt. Zu Hause sind die Leute fast beleidigt, wenn etwa ein Schiller nicht wortgetreu gespielt wird.“

Wie komisch es nun wirklich wird ab morgen? Die verschworene Theaterfamilie wird fehlen. Die Zeit, die das Theater auf Kosten von Freunden und Familie verschlang, wohl nicht. Der Abi-Ball des Sohnes, die Hochzeit der Brüder – „tut mir leid, Vorstellung“. Wie streift man ein Leben ab, das 43 Jahre von Proben und Vorstellungen, Vorstellungen und Proben geprägt war? „Gehst du heute Abend wieder ins Theater?“, fragte ihr Sohn, als er noch klein war, Tag für Tag. Ein Spiel der beiden. Fast immer war die Antwort „ja“.

Sehr lustig dürfte es auf jeden Fall werden, wenn Brigitte Peters in wenigen Tagen mit Freunden in London die Monty Python-Show besucht. „Always Look on the Bright Side of Life“ – „Schaue immer nur auf die helle Seite des Lebens.“ Ein schönes Motto für den nächsten Akt im Leben der Schauspielerin Brigitte Peters.


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