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Landeskulturkonferenz : Kultur-Tod auf dem Lande?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Brodkorbs Drei-Säulen-Modell lässt Fragen zur Förderung offen / Landeskulturkonferenz in Schwerin

Zur geplanten neuen Kulturförderung des Landes gibt es noch offene Fragen. Das ist gestern bei der Landeskulturkonferenz mit rund 200 Teilnehmern im Schweriner Schloss deutlich geworden. So befürchten Kommunen im ländlichen Raum, dass maßgeblich die Landkreise über die Förderung kultureller Projekte bei ihnen entscheiden werden.

Die Städte und Gemeinden vor Ort verfügten aber selbst über die nötige Kompetenz, sagte Parchims Bürgermeister Bernd Rolly (SPD). „Die Aufgabenübertragung darf nicht bei den Landkreisen enden.“ Der Entwurf der neuen Richtlinie sieht unter anderem vor, dass die Landkreise Förderanträge kleiner Kulturprojekte mit weniger als 3000 Euro Fördersumme bündeln und Sammelanträge stellen können.

Die Förderung soll insgesamt in drei Säulen erfolgen: kulturelle Grundversorgung, Projekte von überregionaler oder landesweiter Wirksamkeit sowie sonstige herausragende Projekte. Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD) strebt dabei eine „Kulturpartnerschaft“ zwischen dem Land, den Landkreisen und den Gemeinden an, wie er sagte. Die Kulturförderung soll mit der neuen Richtlinie transparenter und weniger bürokratisch werden, versprach er.

Wie Rolly begrüßte auch die Vize-Landrätin von Nordwestmecklenburg, Kerstin Weiss, den Richtlinienentwurf im Grundsatz. Das Land bekenne sich damit zur Förderung. Sie bedauerte, dass die Landkreise nicht selbst das Geld für Säule eins (Grundversorgung, zum Beispiel Bibliotheken, Kinder- und Jugendkunstschulen sowie Musikschulen) verteilen können. Dies soll laut Entwurf in Landesverantwortung bleiben.

Benno Plassmann, Vorstandsvorsitzender des Künstlerortes Schloss Bröllin, äußerte die Befürchtung weiterer Kulturkürzungen in den Kommunen angesichts des zunehmenden Spardrucks. Dem solle nach dem Vorbild der Kreissportbünde begegnet werden, indem Kreiskulturräte mit den Kommunen Verträge über Fördermittel abschließen, schlug er vor.

Neben Künstlern und Kommunalvertretern nahmen auch Landespolitiker an der Kulturkonferenz teil. Oppositionspolitiker aus dem Landtag kritisierten die Richtlinie. Der kulturpolitische Sprecher der Linksfraktion, Torsten Koplin, forderte mehr Geld für den Erhalt und die Förderung von Kultur im Land. Veränderungen bei der Verteilung der Mittel allein reichten nicht aus, um existenzielle Fragen zur Zukunft von Kunst und Kultur zu beantworten. Auch Ulrike Berger von den Grünen sagte, das zentrale Problem der aktuellen Kulturpolitik bleibe erhalten. „Es hilft nur wenig, wenn die Kuchenstücke etwas strukturierter verteilt werden – aber der Kuchen insgesamt kleiner wird.“ Die mittelfristige Finanzplanung der Landesregierung sehe eine Abschmelzung der Kulturfördermittel vor. Der schleichende kulturelle Abbau sei so programmiert. Immerhin, so Berger weiter, biete die neue Förderrichtlinie einige Verbesserungen im Detail, zum Beispiel die Möglichkeit einer zweijährigen Förderung.

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erstellt am 23.Apr.2014 | 20:59 Uhr

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