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Schadensbeseitigung nach der Sturmflut : Küstenaufspülungen: Sandabbau in der Ostsee nicht genehmigt

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Wo kommt der Sand für die Küstenaufspülungen nach der Sturmflut her? Laut Energieministerium gibt es zwar 15 Abbaugebiete vor der Küste, aber bislang bis auf eine Sondererlaubnis nicht eine Genehmigung für die Sandförderung. Sand ist zudem deutlich teurer geworden.

svz.de von
erstellt am 16.Jan.2017 | 12:00 Uhr

Für die Beseitigung der Sturmflut-Schäden an den Küstenschutzanlagen an der Ostsee in Mecklenburg-Vorpommern könnte der Sand knapp werden. Nach Angaben des für die Lagerstätten zuständigen Energieministeriums gibt es bis auf eine Ausnahmeerlaubnis aktuell nicht eine Genehmigung für die Sandförderung in den Küstengewässern vor MV. Vor der Küste sind 15 Sandabbaugebiete mit einer Gesamtfläche von 400 Quadratkilometer ausgewiesen. Nach Angaben des Ministeriums lagert dort zwar insgesamt ausreichend Sand für den Küstenschutz. Dennoch ist die Sandentnahme bislang lediglich in einem sieben Quadratkilometer großen Gebiet vor dem Darßer Ort per Ausnahmegenehmigung erlaubt.

 

Als Grund für bislang fehlende weitere Genehmigungen nannte das Ministerium die mit den Verfahren verbundenen aufwändigen Umweltverträglichkeitsuntersuchungen. In den Untersuchungen müssten die Auswirkungen auf die Arten, auf Meeresschutzgebiete, aber auch die Immissionen und der Denkmalschutz bewertet werden. Verbunden mit der Öffentlichkeitsbeteiligung beanspruchten diese Untersuchungen Zeit. Einzig im Gebiet vor dem Darßer Ort hatte das Bergamt bislang einen vorzeitigen Maßnahmebeginn genehmigt. Für diese und zwei weitere Lagerstätten laufen die regulären Verfahren. Wann und ob die Genehmigungen kommen, ist offen.

Noch ist unklar, wie viel Sand für die Aufspülungen an den Küsten nach der schwersten Sturmflut seit mehr als zehn Jahren benötigt wird. Umweltminister Till Backhaus (SPD) hatte unmittelbar nach der Sturmflut angekündigt, dass dort, wo unmittelbar Leib und Leben gefährdet seien, Aufspülungen zur Abwendung einer akuten Gefahr vorgezogen werden könnten. In solchen Fällen wäre für die Sandentnahmen keine bergrechtliche Genehmigung erforderlich.„Die in der vergangenen Woche durchgeführten Vermessungsarbeiten dienten daher auch der Überprüfung, ob einer derartigen Situation vorliegt“, sagte eine Ministeriumssprecherin. Für das Energieministerium sind auch weitere vorzeitige Zulassungen wie am Darßer Ort eine Option, doch die seien an strenge Voraussetzungen geknüpft.

 

Nicht nur vor Zempin, an der Ostküste Rügens und bei Graal-Müritz sind größere Schäden entstanden - auch beispielsweise in Lubmin am Greifswalder Bodden. Wie Bürgermeister Axel Vogt (CDU) sagte, ist an einem Teil des 3,5 Kilometer langen Strandes vor dem Seebad die Düne von einer Stärke von acht auf drei Metern geschrumpft. Das Strandniveau liege auf der gesamten Länge jetzt 1,5 bis 1,8 Meter niedriger als vor der Sturmflut. 250 000 Kubikmeter Sand, schätzt Vogt, werde allein für den Schutz seiner Gemeinde benötigt. Kosten zwei Millionen Euro.

Das Umweltministerium stellt in einem Sonderfonds für die Wiederherstellung von beschädigten Küstenschutzanlagen zehn Millionen Euro bereit. Aktuell kostet ein Kubikmeter aufgespülter Sand laut Ministerium etwa 13 Euro. Allein bei der für Lubmin benötigten Sandmenge würde die Aufspülung etwa 3,25 Millionen Euro kosten.

 

Die Kosten für Strandaufspülungen sind nach den Munitionsfunden an den Stränden von Boltenhagen und Rerik förmlich explodiert. Seit letztem Jahr wird eine engmaschige Siebanlage bei Aufspülungen genutzt, um zu verhindern dass Kampfmittel an den Strand gelangen.

Davor kosteten die Aufspülungen etwa sieben bis 10 Euro pro Kubikmeter Sand.

Lubmins Bürgermeister Vogt hat vor einem „Küstenschutz light“ gewarnt. Allein die Dünen wieder herzustellen, reiche nicht aus. Auch der Strand müsse als Wellenbrecher vor den Dünen wieder auf altes Niveau gebracht werden. „Der Strand ist Eigentum des Landes. Und das Land ist für den Küstenschutz verantwortlich.“ Die Aussage des Umweltministers, nicht für den Touristen-Strand zuständig zu sein, lässt Vogt für seine Gemeinde nicht gelten. „Wir brauchen den Sand  an den Stränden für den Küstenschutz.“ Sand aus Tagebauen für den Küstenschutz zu nutzen, ist nach Angaben des Energieministeriums keine Option. Vor dem Hintergrund der benötigten Mengen, der damit verbundenen Umweltbelastungen  - beispielsweise durch  LKW-Transporte und der entstehenden Kosten sei eine solche Überlegung nicht praktikabel. Im vergangenen Jahr wurden in MV rund 1,4 Millionen Tonnen Sand gefördert, davon etwa 560 000 Tonnen für den Küstenschutz und etwa 860 000 für gewerbliche Zwecke.

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