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Wo Frauen noch entbinden können : Künftig Geburt im Rettungswagen?

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Das Bangen der Hebammen um ihre berufliche Zukunft geht weiter – und auch die Sorge von Frauen, wo sie überhaupt noch entbinden können

svz.de von
erstellt am 08.Sep.2014 | 07:42 Uhr

Paare mit Kinderwunsch sollten sich den 23. September vormerken. „Nur Frauen, die bis zu diesem Tag schwanger werden, können damit rechnen, dass ihnen ihre Bezugshebamme auch bei der Geburt beistehen kann“, erläutert Michaela Skott von der Elterninitiative Hebammenunterstützung.

Für eine Reihe von Hebammen ende nämlich im Juli kommenden Jahres der Haftpflichtversicherungsschutz, mahnt die Schwerinerin, die sich schon seit Jahren als Mutter für die Belange dieses Berufsstandes engagiert. Lediglich die größte berufsständische Vereinigung, der Deutsche Hebammen Verband (DHV), habe für Mitglieder noch ein Jahr länger Versicherungsschutz aushandeln können. Frauen, deren Kinder ab Herbst kommenden Jahres gezeugt würden, drohe allerdings, dass sie ganz auf die wichtige Unterstützung durch eine Bezugshebamme verzichten müssten – denn immer mehr Hebammen würden sich schon jetzt beruflich anderweitig orientieren, weiß Skott. Bundesweit haben in den vergangenen Jahren etwa 25 Prozent der Hebammen ihre freiberufliche Tätigkeit in der Geburtshilfe aufgegeben.

Eine Bezugshebamme begleitet Frauen durch die Schwangerschaft, während der Geburt und im Wochenbett. Viele Frauen wünschen sich diese ständige Ansprechpartnerin – doch immer häufiger werden sie zumindest in den Stunden der Geburt nicht von „ihrer“, sondern von einer Klinik-Hebamme begleitet. Hausgeburtshilfe bieten im Land sogar nur noch ganze elf Hebammen an, so Sigrid Ehle, die Landesvorsitzende im DHV. Die Zahl der in MV in diesem Berufsverband organisierten Kolleginnen sei mit 213 seit längerem konstant. Das dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Berufsstand seit Jahren finanziell in immer größere Nöte geriete. Freiberufliche Hebammen würden vor allem wegen permanent steigender Versicherungsprämien ihre berufliche Existenz gefährdet sehen. Zahlten sie 2004 noch 1352 Euro im Jahr für die Versicherung, sind es seit Juli dieses Jahres schon 5091 Euro, so Sigrid Ehle. Dass die Krankenkassen nun bis Mitte 2015 den freiberuflichen Hebammen in Deutschland insgesamt 2,6 Millionen Euro zusätzlich zahlten wollen, damit diese die gestiegenen Haftpflichtprämien finanzieren können, sei nur kurzfristig eine Entlastung. „Was wir aber brauchen, ist eine dauerhafte Lösung des Haftpflichtproblems.“

Das sieht auch die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, Silke Gajek, so: „Wir dürfen die Augen nicht davor verschließen, dass das Problem an sich nicht gelöst ist.“ Ihre Partei hätte auf Bundesebene einen Haftungsfonds und eine Regresskappung für die Geburtshilfe ins Gespräch gebracht – doch sei niemand darauf eingegangen

Statt dessen würden sich die Bedingungen in der Geburtshilfe in Deutschland weiter verschlechtern. Nicht nur, dass immer mehr Hebammen ihren Beruf an den Nagel hängen würden – bundesweit stünden auch 260 geburtshilfliche Kliniken auf der Kippe, vor allem auf dem Land, so Gajek. Auf Sylt oder in Oldenburg gebe es beispielsweise schon gar keine Kreißsäle mehr. „Es kann aber doch nicht sein, dass Rettungssanitäter künftig die Kinder auf die Welt holen“, warnt die Grünen-Politikerin.

Es sei ein Grundrecht, dass Frauen ihre Kinder an einem Ort ihrer Wahl zur Welt bringen, betont Eltern-Aktivistin Michaela Skott. Und Grünen-Politikerin Gajek mahnt: „Frauen dürfen nicht zum Spielball der Politik werden.“

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