Niedrigzins gefährdet Geschäftsmodell : Kündigungswelle bei Bausparverträgen

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Verbraucherschützer rät zur Klage

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10. August 2015, 21:00 Uhr

Schlechte Zeiten für Bausparer: Im anhaltenden Zinstief versuchen immer mehr Bausparkassen, hoch verzinste Altverträge abzustoßen. So hat die auch für Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg zuständige Landesbausparkasse (LBS) Ost 1405 übersparte Verträge – also solche, die über die vereinbarte Bausparsumme hinaus angespart worden sind – gekündigt. Gekündigt wurden außerdem 1894 LBS-Ost-Bausparer, die für ihre zuteilungsreifen Verträge zehn Jahre lang kein Darlehen in Anspruch genommen und sich ihr Guthaben trotz Aufforderung auch nicht auszahlen lassen haben, so eine Sprecherin der Bausparkasse.

Auch andere Anbieter kündigten massiv: Die LBS Nord 6700 beendete Verträge, die LBS Hamburg-Schleswig-Holstein 5700. Marktführer Schwäbisch Hall hat bundesweit 50 000 Altverträge gekündigt, Wüstenrot 30 000. Hintergrund ist, dass die vor Jahren gemachten Zinszusagen von zwei, drei oder sogar vier Prozent für die Ansparsumme durch die Anbieter angesichts des heutigen Niveaus auf den Geldmärkten nur noch zu erfüllen sind, wenn sie ans Eingemachte gehen. Baukredite auf dem Geldmarkt sind dagegen heute sehr viel preiswerter zu erhalten als Bauspardarlehen – deshalb werden die Altverträge bevorzugt als lukrative Geldanlage genutzt.

Jahrelang seien diese Produkte sogar ausdrücklich als Rendite-Sparverträge beworben worden, ruft der Finanzexperte der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern, Axel Drückler, den Bausparkassen in Erinnerung. Ihm liegen eine Reihe von Anfragen zur Problematik vor. Und: „Wir stellen leider fest, dass die Bausparkassen sehr hartnäckig sind, wenn sie die hochverzinsten Bausparverträge loswerden wollen.“ Dabei würde in den Geschäftsbedingungen älterer Verträge ausdrücklich stehen, dass sie für einen mehrjährigen Zeitraum weiterlaufen, auch wenn die Zuteilung nicht angenommen wird. Verbrauchern, denen vor Ablauf dieser Frist gekündigt würde, bleibe nur der Klageweg. Drückler rechnet ihnen gute Chancen aus, „allerdings gibt es leider dazu noch keine abschließende Rechtsprechung“. Wer nicht klagen will, sollte sich für den Fall eines Präzedenzurteils zumindest ausdrücklich Schadenersatzansprüche gegenüber der Bausparkasse vorbehalten, rät Drückler.

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