Theaterstreit : Kritik an Brodkorb wegen Umgang mit Rostock

Jung und forsch ist Kultusminister Brodkorb. Zu forsch in der Diskussion um die künftige Theaterstruktur, findet man in Rostock. Auch aus dem Landtag kommt Kritik am Vorgehen des Ministers und an seinem Umgangston.

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22. März 2013, 07:45 Uhr

Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD) ist wegen seines Agierens im Streit um die Zukunft des Volkstheaters Rostock unter Beschuss geraten. Der kulturpolitische Sprecher der Linksfraktion im Landtag, Torsten Koplin, warf Brodkob am Freitag vor, Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) zu undemokratischem Handeln aufzufordern. In einem Brief hatte Brodkorb Methling nahegelegt, noch vor der entscheidenden Sitzung der Bürgerschaft am 10. April eine Absichtserklärung (Letter of Intent) zum Zusammengehen mit dem Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin zu unterzeichnen. Die von der Landesregierung angestrebte Fusion hat in Rostock viele Kritiker.

Koplin mahnte Brodkorb zu einem "respekt- und kulturvollen Umgang" in Ausübung seines Amtes. Er müsse sich seiner Vorbildfunktion bewusst sein. Brodkorb hatte Methling unter anderem vorgeworfen, mit seiner Politik einen kulturellen Trümmerhaufen in Rostock herbeizuführen.

Die Landesregierung hatte in der Theaterfrage am Montag die Absichtserklärung mit der Landeshauptstadt Schwerin unterzeichnet.

Eine Vertretung aus Rostock war mit Hinweis auf die Sitzung der Bürgerschaft am 10. April nicht anwesend. Ein Ministeriumssprecher hatte anschließend gesagt, nun sei die Zeit für Rostock abgelaufen.

Der Koalitionspartner CDU kritisierte: "Der Letter of Intent war wenig hilfreich." Es müsse alles unterbleiben, was die Beteiligten vor Ort in die Schützengräben zwinge, forderte der kulturpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Marc Reinhardt. Ein unabhängiger Koordinator sei nötig.

Reinhardt sieht nach eigenem Bekunden die Tür hin zu einem Theaterkompromiss aber noch nicht verschlossen. "Wir brauchen eine Lösung, die im ganzen Land akzeptiert werden kann. Dafür ist ein ehrliches Bemühen auf allen Seiten erforderlich, wenigstens das Gespräch zu führen." Ohne Kompromisse werde es nicht gehen. Die Stadt Rostock müsse mit einer einheitlichen Position auftreten, dazu müssten sich Oberbürgermeister und Bürgerschaft endlich durchringen. Die Bürgerschaft will am 10. April die Position der Hansestadt in der Theaterdebatte beschließen. Bisher sind die Signale aus Rostock widersprüchlich.

Alle Theater in Mecklenburg-Vorpommern stehen unter einem gewaltigen Finanzdruck. Ein Grund sind stagnierende Zuschüsse des Landes seit Mitte der 90er Jahre, während die Personal- und Sachkosten immer weiter steigen. Die Trägerkommunen sehen sich kaum noch in der Lage, die Kosten zu tragen. Mittels Fusionen und Personalabbau soll eine zukunftsfähige Theaterstruktur im Land geschaffen werden.

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