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Mecklenburg-Vorpommern : Kritik am Bauboom an der Küste

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

„Wie ein Filz“: Zu viele Hotels und Ferienhäuser schaden dem Bild von MV, bemängelt die Architektenkammer

Die Architektenkammer Mecklenburg-Vorpommern hat vor einer zu dichten Bebauung der Ostseeküste mit Hotels und Ferienhäusern gewarnt. „Wir haben zwar keine Hochhäuser an unserer Küste“, sagte der Präsident der Kammer, Joachim Brenncke. „Aber die Bebauung legt sich wie ein Filz über alles, was am Wasser liegt.“ Das Land verändere sich dadurch so sehr, dass es Gefahr laufe, nicht wiedererkannt zu werden. Die starke Ausrichtung des regionalen Bauens auf den Tourismus sei auch ein gesellschaftliches Problem, sagte Brenncke: „Wenn ein Ort im Winter nur noch 5000 Einwohner hat statt wie im Sommer 50 000, dann ist der Ort tot und leer. Das Miteinander funktioniert nicht mehr.“

Andersherum könne eine individuelle Baukultur Mecklenburg-Vorpommern beliebter machen. „Mit einer schönen Umgebung wird auch die Region attraktiver“, sagte der Geschäftsführer der Kammer, Martin Fischer, mit Blick auf sinkende Einwohnerzahlen in den ländlichen Gebieten. „Ich bin zu hundert Prozent davon überzeugt, dass sich dann mehr Menschen ansiedeln.“ Mit neuen Info-Angeboten will die Kammer daher einen neuen Dialog zwischen Architekten, Bauherren und Bürgern vermitteln. „Wir müssen als Gesellschaft aber auch den Arsch in der Hose haben, entweder zu sagen: Lieber Investor, so geht es nicht. Oder aber: Liebe Anwohner, ihr habt euer Eigeninteresse – aber für die Stadt ist es besser, wenn anders gebaut wird. Diese qualifizierte Diskussion müssen wir wieder erlernen“, sagte Brenncke.

Private Bauherren sollten dabei fachmännische Beratung suchen, etwa beim Thema Energie. Denn die bekanntesten Lösungen seien nicht immer die besten. Vorsicht sei etwa bei Dämmstoffen geboten, sagte Fischer: „Energetische Sanierungen sind sinnvoll, aber nicht um jeden Preis.“

Am 28. und 29. Juni präsentiert die Kammer zum 15. Tag der Architektur landesweit 64 Bauprojekte, die sie als zukunftsfähig bewertet. Die Veranstalter rechnen mit 5000 Besuchern. Im Vorjahr hatten sich rund 4000 Menschen die Gebäude angesehen.


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