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Mecklenburg-Vorpommern

20. November 2017 | 01:42 Uhr

Krisenmanagerin Aigner in der Kritik

vom

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erstellt am 11.Jan.2011 | 07:39 Uhr

Berlin | Dioxin in Tierfutter, in Eiern, in Hühnerfleisch und jetzt auch noch in Schweinefleisch - der Skandal weitet sich aus. Und was macht Ilse Aigner? Die 46-jährige CSU-Frau gibt bereits seit Tagen Deutschlands oberste Verbraucherschützerin, kritisiert die Futtermittelpanscher, mahnt zur Transparenz, beruhigt die Konsumenten. "Dieser Vorgang wird Konsequenzen haben", zeigt sich die Verbraucher- und Agrarministerin in diesen Tagen resolut.

Aigner in der Bredouille: Von ihr wird angesichts des Dioxin-Skandals ein harter Kurs erwartet, dabei kommen die meisten Vorgaben für Lebensmittel- und Futtermittel entweder aus Brüssel oder aus den Ländern. Längst hagelt es Vorwürfe, die Ministerin kusche vor der starken Agrarlobby. Die Krisenmanagerin in der Kritik. Dem Verbraucherausschuss des Bundestages stand Aigner gestern Rede und Antwort und präsentierte ein Fünf-Punkte-Programm, bestehend aus Prüfaufträgen und Absichtserklärungen. Der Dioxin-Skandal, die schwerste Prüfung für die Verbraucherministerin seit ihrem Amtsantritt Ende 2008. Der Vorwurf zu großer Nähe zu den mächtigen Verbänden von Landwirten und Ernährungswirtschaft begleitet Aigner, seit sie im Amt ist. Beim Start der weltweit größten Agrarmesse Ende kommender Woche dürfte sie besonders unter Beobachtung stehen. Auf einmal geht es um belastete Lebensmittel. Seit ihrer erneuten Berufung ins Bundeskabinett hatte sich die CSU-Politikerin stärker als Anwältin der Verbraucher profiliert, kämpfte gegen Googles Streetview, legte sich mit Facebook & Co. an. Typisch Aigner: Immer wieder prescht sie öffentlichkeitswirksam vor, doch die Umsetzung ihrer Initiativen lässt mitunter auf sich warten. Eine verbraucherfreundliche Regelung für Geldautomaten-Gebühren gibt es bisher ebenso wenig wie den angekündigten "Internet-Pranger" für Täuschung und Tricksereien bei der Lebensmittelkennzeichnung.

Interview „Der Handel muss die Waren teurer machen“
11 der 18 gesperrten Betriebe in MV sind inzwischen wieder freigegeben. Doch der Dioxin-Skandal weitet sich aus. Im Nachbarland Niedersachsen sind inzwischen erhöhte Werte in Schweinen gefunden worden.
Christoph Schoenwiese sprach mit Marion Dorn, Vorsitzende des Geflügelwirtschaftsverbandes MV.

Frau Dorn, essen Sie derzeit noch Eier?

Ja, auf jeden Fall. Ich sehe keinen Grund, das nicht zu tun.

Wie sieht es mit Überprüfungen bei Ihren Verbandsmitgliedern aus?
Manche sind überprüft worden, einige warten noch darauf. Wie lange sie ihre Arbeit stilllegen müssen, weiß leider keiner. Schlimm ist, dass der Imageschaden schon jetzt kaum noch zu beheben ist.

Was muss sich ändern, um solche Skandale zu vermeiden?
Wir brauchen mehr Kontrolle. Und damit meine ich behördliche Kontrolle. Dass die Futtermittelhersteller sich selbst kontrollieren ist gut und unabdingbar. Aber der jetzige Skandal zeigt ja, dass es schwarze Schafe gibt.

Muss sich auch bei den Landwirten etwas ändern?
Wir wollen zum Beispiel Verträge mit der Futtermittelbranche abschließen, in der die Produzenten zusichern, alle Inhaltsstoffe des Futters anzugeben. Wer dagegen verstößt, wird seine Ware an uns nicht mehr verkaufen können.

Wie zufrieden sind Sie mit Verbraucherschutzministerin Aigner?

Gar nicht. Das Treffen in Berlin war reine Bestandsaufnahme. Es wurden weder Konsequenzen beschlossen, noch wird der verantwortliche Futtermittelproduzent zur Haftung gezogen.

Inwieweit sehen Sie die Verbraucher in der Schuld?

Wenn ein Kunde kaum etwas im Geldbeutel, aber eine riesige Auswahl hat, entscheidet er sich natürlich für die günstigere Ware. Der Handel muss das Angebot verringern und die Waren teurer machen.

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