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Millionen-Investition : Kreisstadt eröffnet Welterbe-Haus

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Für 3,6 Millionen Euro wurde das Gebäude an der Lübschen Straße saniert

svz.de von
erstellt am 30.Mai.2014 | 23:32 Uhr

Der letzte Schliff fehlt noch – in fast allen Räumen des Hauses in der Lübschen Straße 23 in Wismar sind noch Handwerker aktiv.
Am morgigen Sonntag soll dort das neue Welterbe-Haus feierlich eröffnet werden. Von 14 bis 18 Uhr wird es dann für die Öffentlichkeit frei zugänglich sein.

„Der Eindruck täuscht. Wir werden rechtzeitig fertig“, sagt Thomas Beyer. Nur auf die Außenanlagen träfe dies nicht zu, erklärt Wismars Bürgermeister. Damit ist Wismar, nach Regensburg und Stralsund, die dritte deutsche Stadt, die ein solches Besucherzentrum hat. „Hier soll den Gästen die Lust vermittelt werden, die Stadt in allen Facetten zu erleben“, so Beyer.

Nach einer eineinhalbjährigen Umbauphase soll das Haus 1 des Gebäudeensembles Lübsche Straße 23 zukünftig als Welt-Erbe-Haus mit einer Ausstellung die Einwohner und Besucher der Hansestadt über das Thema Welterbe informieren und erklären, warum die Altstädte von Stralsund und Wismar gemeinsam mit diesem Titel ausgezeichnet wurden. Vom 2. Juni an wird es dann täglich von 10 bis 18 Uhr und sonntags von 10 bis 16 Uhr geöffnet sein.

In Haus 2 soll dagegen ab September die Tourismus-Information Wismars einziehen. „Das Haus ist das erste Ausstellungsstück“, erzählt Architekt Henning Sigge, „wir wollen bereits einen Teil der Geschichte Wismars hier erzählen.“ Dafür wurden Fenster in die Vergangenheit geschaffen. Pro Raum werden immer ein oder zwei Funde, wie eine Decke oder eine Wandmalerei, zu sehen sein. „Moderne Elemente sind auch eindeutig als solche zu erkennen“, betont Sigge. Dazu kommen noch Ausstellungsstücke, die in der Mitte der Räume stehen.

Der Hingucker des neuen Welt-Erbe-Hauses soll jedoch der Tapetensaal werden. „Unser Highlight“, so Norbert Huschner, „das kann man schlecht beschreiben, sondern muss man sehen.“ Zu sehen sei auf der historischen Tapete die antike Geschichte der Reise des Telemach auf die Insel Kalypso, erzählt der Welterbe-Beauftragte der Hansestadt Wismar.

Die Tapete wurde aufwendig restauriert und erzeugt ein beeindruckendes Panorama. Weltweit gebe es nur drei solcher Tapeten, so Huschner, eine im Metropolitan in New York, eine im Victoria and Albert Museum in London und jetzt eine in Wismar. „In dieser Reihe fühlen wir uns ganz gut aufgehoben“, erzählt Huschner und lacht. Neben der Tapete sind in diesem Saal nur noch zwei Bänke mit Hörstationen vorhanden. „In sechs Minuten erzählt hier die Tapete ihre wechselvolle 200-jährige Geschichte“, so Torsten Sonntag. Außerdem könne der Raum in Zukunft etwa einmal im Monat gemietet werden, erklärt der Sanierungsreferent der Deutschen Stadt-und Grundstücksentwicklungsgesellschaft.

Nicht nur der Tapetensaal wird die Blicke der Besucher auf sich ziehen. Im Kemladen wurde beispielsweise eine barocke Decke wieder freigelegt, die Szenen aus dem Alten Testament darstellt. „Das war eine schöne Überraschung für uns“, so Sonntag.

Insgesamt 3,6 Millionen Euro kostet die Sanierung des Hauses. Dabei übernahm der Bund mit dem Investitionsprogramm Nationale Unesco-Welterbestätten 95 Prozent der Kosten. Die restlichen fünf Prozent waren Eigenmittel der Hansestadt. Dazu kommen noch einmal 470 000 Euro für die Ausstellung. Diese ist nun auf 500 Quadratmetern Fläche im Erd- und im Obergeschoss zu sehen. Dagegen befinden sich im Keller die Versorgungsräume sowie die WCs. Durch einen Aufzug wird das Haus zudem barrierefrei. „Aus Brandschutzgründen mussten wir ein zweites Treppenhaus einrichten“, so Huschner. Mit dem Ergebnis der Sanierung ist nicht nur er sehr zufrieden. „Besser kann man nicht zeigen, wie man mit alten Häusern umgeht“, sagt Sonntag.


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