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Mecklenburg-Vorpommern

23. November 2017 | 03:00 Uhr

Krebsregister nimmt Formen an

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

150 000 Erkrankungsfälle aus MV erfasst / Ziel: Einheitliche Behandlungsqualität

svz.de von
erstellt am 22.Okt.2014 | 15:57 Uhr

Frauen, deren Wechseljahresbeschwerden mit Hormonen behandelt werden, erkranken häufiger an einer bestimmten Form des Brustkrebses als Gleichaltrige ohne Hormontherapie. Allerdings ist in den letzten Jahren die Zahl der Frauen, die eine Hormonersatztherapie bekommen, von 70 auf 20 Prozent zurückgegangen – und parallel die Zahl der entsprechenden Brustkrebsfälle.

Aussagen wie diese lassen sich aus klinischen Krebsregistern ableiten. Für Mecklenburg-Vorpommern wird seit knapp zwei Jahren ein solches Register aufgebaut – nach einer Ausschreibung bekam das Institut für Community Medicine der Universität Greifswald dafür den Zuschlag.

„Mittlerweile haben wir ins Zentrale Klinische Krebsregister Datensätze von mehr als 150 000 Erkrankungsfällen in Mecklenburg und Vorpommern aus der Zeit zwischen 2008 und dem ersten Quartal 2014 eingepflegt“, so Institutsdirektor Prof. Wolfgang Hoffmann. Erfasst werde alles von der Diagnostik, dem pathologischen Befund bis hin zu angewandten Therapien in ihrer konkreten Ausgestaltung.

Nach wie vor werden die Daten zuerst von den bereits seit Langem erfolgreich arbeitenden vier regionalen klinischen Krebsregistern im Land erhoben. Für das zentrale Register wurden alle Angaben unter strengen Datenschutzvorgaben anonymisiert – eine eigens geschaffene Treuhandstelle verwaltet die personenbezogenen Daten, medizinische Daten würden nur getrennt davon weitergegeben, so Prof. Hoffmann.

Erstmals habe es einen Datenabgleich mit den Einwohnermeldeämtern im Land gegeben. Dadurch seien Dopplungen – beispielsweise durch Umzüge, Namensänderungen, aber auch Mehrfachbehandlungen – aufgedeckt worden. „3000 der 150 000 bisher erfassten Patienten waren bereits verstorben, ohne dass das zuvor bekannt war“, so der Wissenschaftler. Dabei hätten Überlebensraten große Aussagekraft, wenn es darum geht festzustellen, welche Therapien bei welchem Krebs am wirksamsten sind. Denn genau das ist das Ziel des Zentralen Klinischen Krebsregisters: Rückschlüsse auf die Behandlungsqualität zu treffen und Niveauunterschiede abzubauen. „Jeder Patient mit dem gleichen Tumorstadium soll überall im Land die gleiche Chance auf Heilung haben“, so Prof. Hoffmann.

Um das Register noch weiter auszugestalten, soll demnächst das Krebsregistergesetz novelliert werden. Dann werden u.a. die Abfrage von Todesursachen und der Datenaustausch mit anderen Länderregistern geregelt.

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