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Gesundheit : Krebs durch Asbest: 107 neue Fälle in MV

vom
Aus der Onlineredaktion

Baustoff noch immer eine tödliche Gefahr. Amt beklagt sorglosen Umgang.

von
erstellt am 08.Aug.2017 | 05:00 Uhr

In Mecklenburg-Vorpommern erkranken jedes Jahr mehr als hundert Menschen schwer an den Folgen von Asbest, obwohl der hochgefährliche Baustoff seit 1993 in Deutschland nicht mehr verwendet werden darf. So registrierte das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) in Rostock allein im vergangenen Jahr 165 asbestbedingte Neuerkrankungen. Bei den Erkrankten wurden in 107 Fällen Lungen- oder Kehlkopfkrebs, in 50 Fällen eine Asbeststaublunge und in acht Fällen Rippenfelltumore diagnostiziert, teilte das Amt auf Anfrage unserer Redaktion mit. Von Anfang 2010 bis Ende 2016 wurden insgesamt 1096 neue Asbesterkrankungen im Land gemeldet. Ein Ende ist nicht in Sicht.

 

Häufig haben die Betroffenen die Asbestfasern bereits vor mehr als 30 Jahren bei der Arbeit oder beim Hobby eingeatmet. Das Mineral ist im Körper biologisch nicht abbaubar und führt zu gefährlichen Gewebeveränderungen. „Aufgrund der langen Latenzzeit von durchschnittlich 30 bis 40 Jahren geht die Zahl der asbestbedingten Erkrankungen nicht zurück“, sagte Anja Neutzling, Lagus-Sprecherin. Bundesweit sterben jährlich 1500 Menschen an Asbest.

Noch immer ist der tödliche Baustoff reichlich vorhanden. Ab Mitte der 60er- bis in die 80er-Jahre wurden jährlich etwa 170  000 Tonnen der Fasern in der Bundesrepublik und 70  000 Tonnen in der DDR zu Dächern, Fußböden, Dämmmaterial, Feuerschutz, oder Bremsbelägen verarbeitet.

Viele Beschäftigte vor allem im Abbruchgewerbe haben heute noch beruflich mit dem heimtückischen Material zu tun.

Das Lagus beklagt in seinem aktuellen Jahresbericht dabei schwere Verstöße gegen Schutzbestimmungen. Beim Abriss eines leerstehenden Industriekomplexes mit 21 Gebäuden im Landkreis Rostock ließ eine Firma im vergangenen Jahr ihre Beschäftigten über eine Zeitraum von sieben Monaten ungeschützt in asbestkontaminierten Bereichen arbeiten. Außerdem stellten Sachverständige des Lagus fest, dass die Firma während eines verhängten Baustopps drei bis vier Containerladungen mit asbesthaltigem Schutt einfach illegal von der Baustelle fortschaffte und entsorgte. „Gegen sechs Verantwortliche wurden Strafanzeigen gestellt“, heißt es weiter im Jahresbericht. Die Verfahren sind noch nicht abgeschlossen.



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