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Hansa am Tiefpunkt : Krawalle und Trainer-Rauswurf

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Hansa Rostock wieder mal am Tiefpunkt: Nach der Pokalpleite flogen Steine, Schilder und Flaschen – und am Ende flog auch Trainer Bergmann

Pokal-Blamage, Trainer-Rauswurf und schwere Ausschreitungen: Fußball-Drittligist Hansa Rostock ist an einem neuerlichen Tiefpunkt angelangt. Nach dem schwarzen Mittwoch mit vier verletzten Polizisten muss der Klub als Wiederholungstäter mit hohen Strafen durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) rechnen.

Auslöser der chaotischen Zustände war die Pokal-Blamage am Mittwochabend. Im heimischen Stadion unterlag der ehemalige Bundesligist mit 1:2 dem 1. FC Neubrandenburg und und verpasste damit sogar gegen einen Fünftligisten den erhofften ersten Heimsieg des Jahres.

Die Krawallmacher waren nach dem Abpfiff mit ihrer Geduld am Ende. Etwa 250 aufgebrachte und zum Teil vermummte Fans durchbrachen die Absperrung und stürmten den VIP-Parkplatz, nachdem sie vergeblich versucht hatten, ein Tor zu öffnen, um zur Mannschaft zu gelangen.

Aus dieser Gruppe der etwa 250 Personen warfen mehr als 60 Anhänger Straßenschilder, Steine, Flaschen, herausgerissene Gehwegplatten, Baumaterial und Absperrvorrichtungen gegen Mitarbeiter des Ordnungsdienstes, die Polizei und das Stadiongebäude. Die Polizei räumte das Gelände. Vier Polizisten wurden verletzt und erlitten Prellungen sowie Platzwunden.

„Zusätzlich zu den Ermittlungen wegen des Verdachts des schweren Landfriedensbruchs wird nun auch wegen Brandstiftung ermittelt, weil im Bereich des Sportforums eine Mülltonne in Brand gesetzt wurde“, sagte Polizeisprecherin Yvonne Hanske.

Zunächst werde das umfangreiche Videomaterial ausgewertet.

Hansas Spieler suchten kurzzeitig das Gespräch mit der aufgebrachten Masse, zogen sich aber wegen der Gefahrenlage schnell wieder zurück. Nach und nach gelang es der Polizei sowie weiteren Ordnungskräften, die Krawallmacher hinter die Absperrung zurückzudrängen und das Gelände zu räumen. Autos der Polizei und von Klubmitgliedern wurden beschädigt, auch das Stadiongebäude wurde in Mitleidenschaft gezogen.

Der Klub entschuldigte sich bei allen Beteiligten und distanzierte sich von jeglicher Form der Gewalt. „Frust und Wut über die enttäuschende Leistung der Mannschaft dürfen sich nicht in aggressivem Verhalten entladen“, sagte Klub-Chef Michael Dahlmann.

MV-Innenminister Lorenz Caffier hatte erst kurz zuvor das Stadion verlassen, erlebte die Ausschreitungen deswegen nicht mit. „Er hatte Termindruck, ist daher vorher gefahren. Aber dennoch wird er schon mitbekommen haben, was passiert ist“, so Dahlmann. Der Hansa-Chef hofft, dass die Krawalle keine Auswirkungen auf den dringend benötigten Schuldenschnitt des Vereins haben: „Das war bestimmt nicht förderlich, ob es jetzt daran scheitert, weiß ich nicht. Am Ende ist es ein krasses Fehlverhalten von einigen wenigen, die dem Verein schaden. Aber ob man daran das Schicksal von ganz vielen Unbeteiligten hängen muss, weiß ich nicht.“

Gestern beantragten im Übrigen die Hausbanken des FC Hansa, die Deutsche Kreditbank (DKB) und Ostseesparkasse Rostock (Ospa), offiziell den Schuldenschnitt beim Land, wie aus dem Finanzministerium zu erfahren war. DKB und Ospa wollen auf rund acht Millionen Euro verzichten, wenn gleichzeitig ein großer Teil der Landesbürgschaften in Höhe von 3,2 Millionen Euro vorfristig in Anspruch genommen werden kann. Ob es dazu kommt, darüber muss der Landtag entscheiden.

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