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Mecklenburg-Vorpommern

14. Dezember 2017 | 13:57 Uhr

Krankenschwester nur noch mit Abi?

vom

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erstellt am 06.Jan.2012 | 06:27 Uhr

Prignitz | Wer künftig Krankenschwester, Krankenpfleger oder Hebamme werden will, muss das Abitur machen - zumindest wenn es nach dem Willen der EU-Kommission geht. Der jüngst in Brüssel eingebrachte Reformvorschlag zur Anerkennung von Berufsqualifikationen sieht vor dem Antreten der Ausbildung eine zwölfjährige Schulzeit vor. Weil die beruflichen Anforderungen gestiegen seien, sollen alle EU-Staaten die Zulassungsvoraussetzung für solche Pflegeberufe von zehn auf zwölf Jahre Schulausbildung anheben.

In der Hebammenausbildung sei die angestrebte Reform schon längst Realität, wie Nicoll Telschow, Geburtshelferin aus Wittenberge, weiß: "Auf die Hebammenschulen werden meines Wissens nur Abiturientinnen aufgenommen." Der Grund sei aber weniger der höhere Bildungsgrad, als vielmehr der persönliche Entwicklungsstand: "Für diesen Beruf muss man zwangsläufig über eine gewisse Reife verfügen. Eine 19-Jährige kann in der Regel ja ganz anders mit Geburtssituationen umgehen als eine 16-Jährige."

"Für Abiturienten ist eine Ausbildung gar nicht adäquat"

Rainer Köppe, Leiter der KMG Bildungsakademie gGmbH in Bad Wilsnack, steht dem Ganzen eher skeptisch gegenüber: "Der Vorschlag der EU-Kommission widerspricht der Idee aus der Bundesregierung, die Kranken- und Altenpflege zusammenzulegen", gibt er zu bedenken. "Dann könnte man den Ausbildungszugang nicht einschränken. Schließlich gelten die angestrebten Regelungen der EU-Kommission nicht für Altenpfleger."

Zudem stellt sich für Köppe die Frage, "ob die Berufsausbildung im Pflegebereich für Hochschulqualifizierte überhaupt noch zeitgemäß ist". Für Abiturienten, so Köppe, sei eine dreijährige Berufsausbildung gar nicht adäquat. "Wer Abitur hat, will in der Regel studieren. Demnach wird die Ausbildung in Zukunft wohl auf ein Hochschulstudium im Gesundheitsbereich hinauslaufen", vermutet der Schulleiter. Auch der Begründung für die Reform könne er nicht zustimmen: "Die beruflichen Anforderungen sind nicht gestiegen. Die Ausbildungsinhalte haben sich zwar geändert, sind komplexer geworden. Das ist aber kein Grund, weshalb Nicht-Abiturienten diese Ausbildung nicht machen könnten. Von unseren derzeitigen Auszubildenden in der Krankenpflege haben auch nur ungefähr ein Viertel das Abitur absolviert."

Bernd Riese hingegen, Pflegedienstleiter im Kreiskrankenhaus Prignitz, begrüßt den Vorschlag, sagt aber auch, dass das Drängen auf verschärfte Zulassungsvoraussetzungen keineswegs neu sei: "Das Thema wird schon seit 2000 diskutiert, Studien mit wissenschaftlicher Unterstützung der Robert-Bosch-Stiftung haben gezeigt, dass Handlungsbedarf für eine Qualitätssicherung besteht. Auf Seiten der Politik ist ja leider noch nichts geschehen."

Schule für Gesundheitsberufe stellt sich auf Veränderungen ein

Laut Riese stellt sich die Schule für Gesundheitsberufe in Perleberg auf Veränderungen ein, Ausbildungsinhalte wurden geändert. Eine Reform sieht er als notwendig an: "Wir müssen ein bestimmtes Ausbildungsniveau halten, müssen uns Qualitätsstandards überlegen. Natürlich ist es schwierig, Abiturienten für die Ausbildung zu begeistern. Bei unserer derzeitigen Bewerberlage beträgt der Abiturientenanteil nur etwa zehn Prozent. Um künftig einen noch stärkeren Fachkräftemangel zu vermeiden, muss daher das Berufsbild attraktiver gestaltet werden."

Von den 27 EU-Mitgliedsstaaten haben 24 diese Regelungen bereits durchgesetzt. In Deutschland könnte die neue Richtlinie frühestens Ende dieses Jahres beschlossen werden. Zuvor müssten dem Vorschlag der EU-Kommission das Europaparlament und der Ministerrat, in dem die 27 EU-Regierungen vertreten sind, zustimmen. Länger zur Schule gehen müssten Krankenpfleger und Hebammen dann ab 2015. Rückwirkend gelten die Vorschriften übrigens nicht: Wer jetzt schon in einem der beiden Berufe arbeite, muss die Schulbank nicht noch einmal drücken. Altenpfleger sind nicht betroffen.

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