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Krankenkassen bringen Pflegedienste in Bedrängnis

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erstellt am 06.Dez.2011 | 09:14 Uhr

Schwerin | Die Spitzenverbände der ambulanten Pflege im Land schlagen Alarm: AOK, Innungs-, Betriebs- und weitere Krankenkassen wollen nach ihren Angaben die Vergütungssätze für die häusliche Krankenpflege um bis zu 23 Prozent kürzen. Gleichzeitig soll die Behandlungszeit sinken. Das gefährde sowohl die Qualität der Versorgung als auch eine Vielzahl von Arbeitsplätzen, kritisierten Leistungserbringer gestern in Schwerin.

Zurzeit versorgen 430 ambulante Pflegedienste mit rund 6500 Mitarbeitern in MV täglich zwischen 18 000 und 20 000 Kranke zu Hause - 80 Prozent von ihnen sind nach Angaben von Helmut Schapper, Fachbereichsleiter Pflege bei der Liga der Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege, bei den Kassen versichert, die bereits seit drei Jahren eine Verhandlungslösung blockierten. "Wir selbst sind den Kassen mit unseren Forderungen bei Zeitansätzen und Vergütung entgegengekommen", betont Dieter Eichler, Landesbeauftragter des Verbandes der privaten Anbieter sozialer Dienste. Doch die Kassen beharrten seit Januar 2011 auf unveränderten Positionen.

Ein Beispiel verdeutlicht die unterschiedlichen Forderungen: Gegenwärtig erhält ein Pflegedienst für eine Insulininjektion bzw. eine Medikamentengabe 6,09 Euro. Forderung der Leistungsanbieter sind 7,38 Euro. Einschließlich An- und Abfahrt sollen ihnen für diese Leistung weiterhin 15 Minuten zur Verfügung stehen. Die Kassen dagegen wollen nach Angaben der Pflegedienste künftig nur noch 4,20 Euro für zehn Minuten zahlen. Die Leistungserbringer sehen sich dadurch in ihrer Existenz gefährdet, weil sie ihre stetig steigenden Betriebskosten nicht mehr tragen können. Zudem könnten sie ihre Angestellten nicht mehr leistungsgerecht bezahlen - es drohte eine weitere Abwanderung nach Hamburg, Schleswig-Holstein oder Süddeutschland, wo Pflegekräfte deutlich mehr verdienen könnten.

Die AOK Nordost kritisiert, dass die Pflegedienstverbände Patienten und Angehörige unnötig verunsicherten. Die Kassen würden eine sach- und leistungsgerechte Vergütung nicht blockieren. Doch neue ambulante Wohnformen wie Senioren-WGs führten dazu, dass Pflegedienste weniger Aufwendungen - zum Beispiel für Anfahrten - hätten. Zudem würde kaum ein Anbieter ausschließlich Leistungen der häuslichen Krankenpflege erbringen, sondern z. B. parallel auch Leistungen aus der Pflegeversicherung. Dies alles müsse künftig bei der Vergütung berücksichtigt werden. Pflegeintensive Leistungen wie das Anlegen von Wundverbänden sollen im Übrigen sogar besser vergütet werden, so AOK-Nordost-Sprecherin Gabriele Rähse.

Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD) appellierte an beide Seiten, ihre Verhandlungen zur Vergütung ambulanter Pflegeleistungen zügig abzuschließen. Die Arbeit der Pflegedienste müsse angemessen vergütet werden. "Auch in diesem Bereich gilt der Grundsatz: Guter Lohn für gute Arbeit!", so Schwesig.

Am 21. Dezember wird weiter verhandelt.

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