Gesundheitswesen : Krankenhäuser in MV fürchten den Kollaps

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17. September 2015, 21:00 Uhr

„Diese Reform geht uns an die Nieren“, fasst der Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern (KGMV), Wolfgang Gagzow, die Stimmung in den Kliniken des Landes zusammen. Auch die gestrige Mitgliederversammlung der KGMV in Schwerin wurde von den Plänen für eine Krankenhausstrukturreform dominiert, die Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) schon zum 1. Januar 2016 in Kraft setzen möchte.

„Was unter dem Deckmantel einer Qualitätsoffensive geplant ist, wird zu massiven Mittelkürzungen führen und damit das Gegenteil bewirken“, warnte KGMV-Vorsitzender Dr. Hanns-Diethard Voigt. Durch den Wegfall des Versorgungszuschlags drohe hier im Land ein Verlust in Höhe von 12 Millionen Euro. Häuser, die besonders gute Qualität lieferten und dadurch mehr Patienten anziehen, müssten sich darauf einstellen, dass ihnen diese zusätzlichen Leistungen nicht mehr voll bezahlt werden. Hier seien fünf Jahre lang hohe Abschläge vorgesehen. „Wie alles das noch zu besonderen Qualitätsanstrengungen motivieren soll, erschließt sich nicht“, so Voigt.

Im Gesetzentwurf sei zudem eindeutig eine Tendenz zu erkennen, die Zentralisierung von Leistungen durch Schließung von Krankenhäusern zu fördern, so Gagzow. Kleine und mittlere Häuser in dünn besiedelten Regionen bangten besonders um ihre Existenz – und die sind hierzulande in der Mehrheit: Von den 37 Krankenhäusern im Land haben 25 weniger als 200 Betten, neun sogar weniger als 100.

Auch deshalb hätten sich bereits jetzt mehr als 200 Teilnehmer aus MV angemeldet, die am 23. September in Berlin gegen das Gesetzesvorhaben protestieren wollen. „Ich rechne damit, dass es noch deutlich mehr werden“, so Gagzow.

Schließlich hätten die Krankenhäuser im Land in den letzten 25 Jahren schon einen radikalen Wandel durchgemacht: Gab es 1990 noch 50 Krankenhäuser mit 20 000 Betten, sind es heute nur noch 37 Akutkrankenhäuser mit knapp 10 000 Betten. Heute seien hier noch 18 500 Mitarbeiter beschäftigt, so Gagzow. Nicht wenige arbeiteten in neuen Berufen, die Ausdruck der stattgefundenen Veränderungen seien: IT-Fachleute, medizinische Dokumentare, Controller.

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