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Mecklenburg-Vorpommern

17. November 2017 | 22:31 Uhr

Kräftiges Plus für Ostrentner

vom

svz.de von
erstellt am 17.Apr.2013 | 06:50 Uhr

Eine Mini-Rentenerhöhung von 0,25 Prozent für die Westrentner, ein recht üppiges Plus von 3,29 Prozent für die Senioren im Osten: Das Bundeskabinett hat die Rentenerhöhung zum 1. Juli gestern beschlossen und die Debatte über das Rentensystem angeheizt. Geht es noch gerecht zu? Sind die Rentner nicht die großen Verlierer? Hintergründe von Christoph Slangen.

Warum ist der Unterschied zwischen West und Ost so gross?

Die Löhne im Osten haben sich deutlich stärker entwickelt: 4,32 Prozent gegenüber nur 1,5 Prozent im Westen. Dabei wurde die Lohnentwicklung des vergangenen Jahres berücksichtigt und die erst jetzt vorliegenden endgültigen Zahlen des Jahres 2011. Kürzungsfaktoren - Riester-Faktor und Nachhaltigkeitsfaktor - sollen für einen langsameren Anstieg der Renten im Vergleich zu den Löhnen sorgen. Zudem mussten unterbliebene Rentenkürzungen aus Vorjahren teilweise verrechnet werden: Es gibt eine Rentengarantie, durch die auch rechnerisch notwendige Kürzungen unterbleiben. Diese unterbliebenen Kürzungen werden jedoch in späteren Jahren mit Rentenerhöhungen verrechnet. Im Westen gab es hier einen größeren Nachholbedarf. Unter dem Strich ergab sich die gespaltene Anpassung: 0,25 Prozent im Westen, 3,29 Prozent im Osten.

Wie viel erhalten Rentner konkret mehr?

Die vier Millionen Ostrentner erhalten eine 13-mal so hohe Rentenanpassung wie die 16 Millionen Westrentner. Wer 400 Euro Rente hat, bekommt im Westen einen Euro monatlich mehr, im Osten sind es 13,16 Euro. Wer derzeit 800 Euro erhält, bekommt als Westrentner zwei Euro mehr ab Juli überwiesen, im Osten 26,32 Euro. Eine Rente von 1200 Euro wird im Westen um drei Euro, im Osten um 39,48 Euro aufgestockt.

Sind die Ostrentner im Vorteil?

Bei der aktuellen Erhöhung ja, doch unter dem Strich nicht: Das Rentenniveau in den neuen Ländern ist weiter geringer. Es liegt bei 88,8 Prozent und steigt ab 1. Juli auf 91,5 Prozent des Westwertes. Für einen Rentenpunkt gibt es im Osten 25,74 Euro statt derzeit 24,92 Euro. Im Westen erhöht sich der Wert nur geringfügig von 28,07 Euro auf 28,14 Euro. Die Zahlbeträge im Osten sind jedoch derzeit ungefähr gleich hoch wie im Westen - bei Frauen sogar höher, weil im Schnitt länger als im Westen gearbeitet wurde.

Verbessert die erhöhung den Lebensstandard der Rentner?

Im Westen eindeutig nein. Die Mini-Erhöhung liegt noch unter der Inflationsrate. Im Osten werden die Rentner sich ab Juli geringfügig mehr leisten können. Unter dem Strich hat die Rente in den vergangenen Jahren durch Rentenreformen mit Nullrunden und oft geringen Erhöhungen an Kaufkraft verloren: Knapp zwölf Prozent in den alten Ländern seit 2004, acht Prozent in den neuen.

Muss das Rentensystem geändert werden?

Die Rentenreformen sehen eine Absenkung des Rentenniveaus vor, um so die immer längere Bezugsdauer im Zuge der demografischen Entwicklung bezahlbar zu halten. Zugleich wurde die private Alterssicherung staatlich gefördert. Die Renten werden um den Riester-Faktor gekürzt. Doch die private geförderte Altersvorsorge wird längst nicht von allen in Anspruch genommen. Knapp 15,7 Millionen Verträge wurden bis Ende 2012 abgeschlossen, die Zahl der Beschäftigten liegt weit über 40 Millionen. Würden die Rentenerhöhungen nur in dem Maße gekürzt, wie die Beschäftigten tatsächlich privat vorsorgen, müsste die Rente derzeit etwa fünf Prozent höher ausfallen. Meldungen, der Riester-Faktor sei folglich falsch berechnet, wies die Regierung jedoch heute zurück. Die Union will vor allem die Mütterrenten aufstocken und eine Lebensleistungsrente einführen, um gegen Altersarmut vorzugehen. Die SPD setzt auf die Kombination von Mindestlöhnen und einer Solidarrente für Geringverdiener von 850 Euro.

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