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Verhütung : Kostenlose Pille: Modellversuch floppt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Junge Frauen zeigten wenig Interesse. Projekt vorzeitig beendet.

svz.de von
erstellt am 14.Nov.2014 | 07:45 Uhr

Das Modellprojekt des Sozialministeriums MV zur kostenfreien Vergabe von Verhütungsmitteln scheint ein Flop zu sein: „Die Beteiligung war nicht so groß, wie gewünscht“, sagte Ministeriumssprecher Christian Moeller. Genaue Zahlen wollte das Ministerium nicht nennen. Die geringe Teilnehmerzahl bestätigte auch die Arbeiterwohlfahrt (AWO), die das Projekt in Schwerin begleitete. „Vom Gefühl her hätten es mehr Frauen sein können“, hieß es von dort.

Das Projekt war ursprünglich bis Ende 2015 geplant, wurde aber bereits im Oktober vorzeitig beendet. Unklar ist, ob es am mangelnden Bedarf lag oder generell am falschen Konzept. Das Modellprojekt startete im November 2013, um die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche zu verringern. Es war für 3000 junge Frauen zwischen 20 und 35 Jahren mit Hauptwohnsitz in Schwerin und der Region Demmin ausgelegt, 2000 Frauen davon wollte das Land erreichen. Einen Anspruch auf kostenlose Verhütungsmittel hatte, wer Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld II erhält. Dieser wurde, nachdem der Frauenarzt das Rezept ausgestellt hatte, von Schwangerschaftsberatungsstellen geprüft und auf dem Rezept vermerkt. In der Apotheke konnte es dann kostenlos abgeholt werden.

„Das Projekt wäre auch für Azubis und Studenten wünschenswert gewesen“, hieß es von der AWO. Die Projekt-Ausrichtung bemängelt auch die familienpolitische Sprecherin der Linksfraktion Jacqueline Bernhardt: „Nicht nur Hartz-IV- oder Sozialhilfeempfängerinnen, auch Frauen in Ausbildung, Studentinnen und Geringverdienerinnen verzichten oft wegen finanzieller Probleme auf sichere Verhütung.“ Deshalb sei der Modellversuch, der sorgfältig ausgewertet werden muss, zwar ehrenwert, greife aber viel zu kurz. Die sozialpolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Silke Gajek, sieht Gründe für die geringe Teilnahme in der falschen Konzeption. „Viel wichtiger ist es doch, dass Mädchen und junge Frauen durch Beratung in ihrer Lebensplanung gestärkt werden.“

Das Modellprojekt wird zurzeit von der Ernst-Moritz-Arndt Universität Greifswald ausgewertet. Anfang Dezember sollen die Ergebnisse feststehen. Erst dann könne nach Aussagen des Ministeriums ein Fazit gezogen werden.

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