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Pferdezentrum Redefin : Kostenexplosion im Gestüt

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Schlampige Planung oder normale Teuerungsrate: Die Sanierung des angeschlagenen Landgestüts Redefin kommt den Steuerzahlern deutlich teurer als bisher erwartet. Das Land muss zusätzliche Millionen zahlen.

svz.de von
erstellt am 27.Jan.2012 | 07:49 Uhr

Hagenow | Schlampige Planung oder normale Teuerungsrate: Die Sanierung des angeschlagenen Landgestüts Redefin kommt den Steuerzahlern deutlich teurer als bisher erwartet. In den kommenden Jahren muss das Land voraussichtlich mehrere Millionen Euro zusätzlich als Finanzausgleich zahlen. Dabei sollten die Verluste des Prestigestall nach dem ursprünglichen, 2008 vom Landeskabinett beschlossenen Sanierungskonzept binnen fünf Jahren deutlich reduziert und die vom Land gezahlten Finanzhilfen von damals 1,4 Millionen auf 760 000 Euro im Jahr 2013 zurückgefahren werden. Der Plan ist nicht mehr zu halten, erklärte Marion Zinke, eine Sprecherin des Landwirtschaftsministeriums gestern gegenüber unserer Redaktion. So habe das Land für 2011 zunächst 1,1 Millionen Euro an Finanzhilfe für Redefin vorgesehen. Für 2012 und 2013 geht das Landwirtschaftministerium sogar noch von deutlich höheren Ausgleichszahlungen aus als vorgesehen: Jeweils 1,64 Millionen Euro sollen aus dem Landeshaushalt nach Redefin überwiesen werden, so das Landwirtschaftsministerium. Das Geld stamme aus dem eigenen Etat aufgebracht und stamme aus dem Sondervermögen. Die gesamten Mehrbelastungen seien aber noch nicht abschätzbar. Zunächst müssen das damalige Sanierungskonzept überarbeitet werden.

Das Land verteidigte indes die Kostensteigerung: Durch die fehlenden Investitionen habe das Gestüt das Sanierungskonzept noch nicht umsetzen und zusätzliche Einnahmen nicht in dem Maße wie geplant realisieren können, sagte Zinke. Dem Sanierungsplan zufolge sollte eine verbesserte Wirtschaftlichkeit, besseres Marketing, die Profilierung als Ausbildungs- und Sportzentrum mit Reit- und Fahrschule sowie ein Seminar- und Ausbildungszentrum die Finanzlage des Gestüts deutlich verbessern. Mit den zugesagten Finanzhilfen hatte sich das Kabinett 2008 zum Gestüt bekannt.

Noch nehmen die Mehrkosten aber kein Ende: Jetzt muss das Land auch noch für die Investitionen deutlich tiefer in die Kasse greifen, als vor vier Jahren vom Kabinett bestätigt. 10,5 Millionen Euro wollte das Land seinerzeit bezahlen - unter anderem für die Sanierung des so genannten Gärtnerhauses, mehrerer neuer Stallanlagen, einer neuen Multifunktionsreithalle und eingezäunte Ausläufe für Pferde. Das reicht schon lange nicht mehr: Die Kosten fallen um zwei Millionen Euro höher aus als geplant, erklärte Zinke. Der Grund: Die damalige Prüfung des Landesrechnungshofes und Umplanungen hätten das Projekt verschoben und die Investitionen um Jahre verzögert. Jetzt würden höher Preise die Kosten in die Höhe treiben. Auch habe der nach dem Brand eines Heu- und Strohlagers notwendige Bau einer neuen Strohhalle für 300 000 Euro die Investitionen verteuert.

Das Gestüt selbst schiebt die Verantwortung von sich: Die Debatte über die zusätzlichen Kosten sei "überzogen", meinte Gestütsleiterin Antje Kerber gestern und gesteht offenbar doch Planungschwächen ein: "Die Zahlen, die bisher vorlagen, stammen aus einer Grobkostenschätzung und waren zu keinen Zeitpunkt mit einer Detailplanung unterlegt." Durch inzwischen erfolgte Detailplanungen "haben sich einige Dinge ergeben, die im Vorhinein nicht abzusehen waren." Kerber zufolge sei beispielsweise erst jetzt festgestellt worden, dass der Baugrund an einigen Stellen nicht tragfähig genug ist.

Das Kostenwirrwarr im Gestüt sorgt bei der Opposition im Schweriner Landtag für massive Kritik: Das vom Land vorgelegte Konzept habe "offenbar keine solide Grundlage", erklärte der agrarpolitische Sprecher der Linksfraktion, Prof. Fritz Tack, und forderte von Agrarminister Till Backhaus (SPD) Aufklärung: "Erneut drohen die Kosten aus dem Ruder zu laufen." Trotz Sanierungsplan komme das Gestüt nicht aus den Negativschlagzeilen heraus.

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