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Mecklenburg-Vorpommern

18. Dezember 2017 | 06:18 Uhr

Berufsschule in MV : Kooperation als Rettung?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Brodkorb: Ausbildung muss neue Wege gehen

svz.de von
erstellt am 21.Feb.2015 | 08:00 Uhr

Zwei Minister zur selben Zeit am selben Ort – da fällt der Förderbescheid gewöhnlich besonders groß aus. Die Berufliche Schule Technik der Landeshauptstadt wartet angesichts ihres desolaten baulichen Zustands seit Jahren auf Fördergeld. Doch Sozialministerin Birgit Hesse und Bildungsminister Mathias Brodkorb (beide SPD) wollten sich gestern in erster Linie über die Schulsozialarbeit informieren. Die Zukunft der Berufsausbildung im Land und damit auch die der Schweriner Schule dominierte allerdings immer wieder die Diskussion.

1800 Schüler lernen an der Beruflichen Schule Technik. Doch wie andere Berufsschulen kämpft auch sie mit einem Rückgang der Schülerzahlen in einzelnen Fachklassen. Betriebe wollen für ihre Lehrlinge möglichst kurze Wege – doch Berufsschulen sind nur mehrzügig effektiv. Ist ihre Zukunft ungewiss, sind Landesmittel für bauliche Instandsetzungen ausgeschlossen. Die Kommunen allein können sie in der Regel nicht stemmen.

Einen Ausweg aus diesem Dilemma schlug Minister Brodkorb am Beispiel der Ausbildung im Kfz-Gewerbe vor: Sie könnte sowohl in Wismar als auch in Schwerin erhalten bleiben, wenn beide Schulen kooperieren und sich z. B. zum gegenseitigen Vertretungsunterricht verpflichten würden. Den Wismarer Schulleiter habe er aufgefordert, ihm Unterschriften von 36 Handwerksbetrieben vorzulegen, die sich verpflichten, auch in den nächsten Jahren auszubilden. „Machen Sie mit, Sie könnten als Modellprojekt für das ganze Land Geschichte schreiben“, warb der Minister nun auch bei der Schweriner Schulleiterin Petra Voß um Unterstützung für seine Idee.

Ein anderes Problem, das die Schweriner wie andere Berufsschulen im Land hat, sind übervolle Stundenkonten bei einzelnen spezialisierten Fachlehrern, denen andere Kollegen gegenüberstehen, die nicht ausgelastet sind. Brodkorbs Vorschlag: Letztere könnten beispielsweise eine sonderpädagogische Zusatzausbildung absolvieren. Solche Fachkräfte fehlen seit Auslaufen eines entsprechenden Modellprojektes vor einigen Jahren gerade im Bereich der Berufsvorbereitung, hatten zuvor die beiden Schulsozialarbeiter Christin Lischka und Steffen Waack unisono beklagt.

Von Brodkorbs Vorschlag, Schulsozialarbeit künftig organisatorisch nicht mehr der Jugendhilfe, sondern den Schulen zuzuordnen, halten sie indes nichts. „Ich gehöre nicht zur Schule – das ist eine ganz andere Basis, wenn sich ein Schüler mit mir unterhält“, betont Steffen Waack, der bei der Caritas beschäftigt ist. Seine Kollegin – sie ist Angestellte des Internationalen Bundes – sieht das so wie Birgit Hesse: „Schüler haben zum Sozialarbeiter ein ganz anderes Verhältnis als zu einem Lehrer.“

Der Ministerin zufolge ist Schulsozialarbeit ein Erfolgsrezept. „Wenn wir von Fachkräftemangel sprechen, müssen wir dafür Sorge tragen, dass die Jugendlichen für den beruflichen Alltag fit gemacht werden“, so Hesse. Christin Lischka und Steffen Waack haben dafür ein ganzes Angebotspaket geschnürt: Es reicht von Betriebsbesichtigungen über medienpädagogische Angebote, Sucht- und Gewaltprävention bin zu internationalem Austausch und einem Elternpraktikum.

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