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Konzept für die Versorgung älterer Patienten vorgelegt

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erstellt am 25.Mai.2010 | 07:10 Uhr

Schwerin | Das Land wird immer älter und damit auch seine Patienten. Der demografische Wandel verändert somit auch die Anforderungen an die medizinische Versorgung. Die Geriatrie (Altersheilkunde) nimmt an Bedeutung zu. Wie die älter werdende Bevölkerung optimal versorgt werden kann, soll ein Konzept aufzeigen, das die niedergelassenen Ärzte, die Akutkrankenhäuser und Rehabilitationskliniken des Landes unter dem gemeinsamen Dach der Kassenärztlichen Vereinigung und der Krankenhausgesellschaft erarbeitet haben. Gestern wurde dieses Konzept in der Landeshauptstadt vorgestellt.

"Die geriatische Versorgung ist sehr komplex, denn die Patienten haben mehrere gesundheitliche Probleme gleichzeitig. Darum brauchen wir multidisziplinäre Teams, in denen Logopäden gemeinsam mit Orthopäden und Psychotherapeuten arbeiten", sagte Wolfgang Gagzow, Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft MV (KGMV). Um diese Aufgabe zu stemmen, sei es erforderlich, auch die Pflegeheime und Hospize mit ins Boot zu holen. "Für eine bessere Versorgung brauchen wir eine intersektorale Zusammenarbeit", sagte Reinhard Wosniak von der Kassenärztlichen Vereinigung (KVMV). Dem Konzept vorausgegangen seien lange und intensive Gespräche, sagte Wosniak. Zusätzliche Kosten für die Krankenkassen soll das Konzept nicht mit sich bringen. "Die Geldmittel werden spezifischer gelenkt. Das Konzept legt zudem einen Schwerpunkt auf die Prävention", sagte Reinhard Wosniak.

Ob und wann Vorschläge des Papiers aber umgesetzt werden, hängt nun vom Sozialministerium ab, das an einem Landesgeriatriekonzept arbeitet. "Wir haben erhebliche Schularbeiten geleistet. Jetzt soll sich das Ministerium mit uns zusammen setzten", forderte Wolfgang Gagzow. Das vorgelegte Konzept sei ein wichtiger Baustein, um die Qualität in der geriatrischen Versorgung abzusichern. Lob aus der Praxis bekam das Konzept bereits. "Es ist aus der Sicht der Leistungsträger, also der Kliniken erarbeitet worden", sagte Dr. Antje Kloth vom Therapiezentrum für Geriatrie und Schlaganfall in Tessin. Die Praktikerin forderte die "Versorgung aus einem Guss".

39 Krankenhäuser und 64 Rehakliniken gibt es im Land, aber insgesamt nur knapp 30 Spezialisten für Altersheilkunde. Zu wenig, meint Wolfgang Gagzow, denn nahezu alle Kliniken behandeln bereits geriatrische Patienten. Der Bedarf an Allgemeinmedizinern mit der Weiterqualifikation für Geriatrie sei um ein vielfaches höher als der momentane Bestand. Gagzow fordert darum, einen Lehrstuhl für Geriatrie aufzubauen.

Viel dringlicher als der Bedarf an Fachärzten für Geriatrie sei aber der Bedarf an Hausärzten allgemein, sagte Reinhard Wosniak von der Kassenärztlichen Vereinigung. Jährlich würden etwa 15 Praxen ohne Nachfolger schließen, insbesondere im ländlichen Bereich. Nach einem Bericht der KVMV seien bereits jetzt mehr als 100 Hausarztsitze unbesetzt mit steigender Tendenz, denn mehr als 20 Prozent der Hausärzte seien 60 Jahre und älter. Das Land brauche dringend junge Hausärzte.

Um diesen Mangel entgegenzuwirken, haben die Kassenärztliche Vereinigung und die Krankenhausgesellschaft nun eine Koordinierungsstelle für die allgemeinmedizinische Weiterbildung geschaffen. Aufgabe dieser Stelle soll es sein, für die Ärzte, die nach dem Studium eine Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin absolvieren, die Koordinierung der gesamten fünfjährigen Weiterbildungszeit zu übernehmen. Die jungen Mediziner sollen sich so besser auf die Ausbildung konzentrieren können.

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