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Rostocker Kunstpreis 2011 : Konzentrierter Blick

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Freitag Abend eröffnet in der Kunsthalle die Ausstellung mit den Werken der für den Rostocker Kunstpreis 2011 nominierten Künstler aus MV. Gezeigt werden Arbeiten zum Thema Skulptur.

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erstellt am 02.Nov.2011 | 08:40 Uhr

Rostock | Papier, Werkzeug, Kataloge, leere Transportverpackungen... Dr. Ulrich Ptak und Susanne Rast sitzen dazwischen auf dem Boden. "Und?", fragt der Leiter der Kunsthalle Rostock. "Ich finde es schön", sagt die Bildhauerin und Zeichnerin mit Blick auf das Arrangement ihrer Plastiken und Studien, das langsam Gestalt annimmt. Morgen Abend eröffnet in der Kunsthalle die Ausstellung mit den Werken der fünf für den mit 10 000 Euro dotierten Rostocker Kunstpreis 2011 nominierten Künstler.

Die Ausschreibung richtete sich an Künstler aus ganz MV und forderte Arbeiten zum Thema Skulptur. 51 Bewerbungen gingen ein, in der Kunsthalle zu sehen sind nun Werke von Udo Dettmann, Silke Koch, Susanne Rast, Matthäus Thoma und Dirk Wunderlich.

Gleich hinter dem Foyer beginnt der Bereich von Susanne Rast. Skulpturen aus Holz und Bronze sind zu sehen, dazu die Skizzen und Studien. "Alter Engel" ist eines der Werke betitelt und die Skulptur "Moment des Hinübergehens" rede vom Tod. Das habe nichts mit Religiösität zu tun, sagt Susanne Rast, eher mit "Stille und Vergeistigung".

Hinter Rasts Bereich geht es weiter mit Dirk Wunderlich. Wie außerirdische Lebensformen wirken manche Objekte in den Vitrinen, bedrohlich lebendig. "Deshalb sind sie auch eingesperrt", sagt Wunderlich und freut sich über die Wirkung: "Bei einer Ausstellung hatte ich mal die Räume verdunkelt und nur die Objekte beleuchtet - da sind einige Leute geflüchtet." Wunderlich verarbeitet Lack und Metalle, aber auch gesammeltes organisches Material wie Harze, Tang und Knochen, ganze Schädel. Aus der Ursuppe seines Fundus entstehen die Objekte: "Ich fange Sachen an, einige bleiben übrig - und sie entwickeln sich."

Udo Dettmann verlangt dem Betrachter am meisten ab. Bunte, quaderförmige Objekte, guckkastenartig an der Wand, in zwei Würfeln leuchten Sonne und Erde. Und auf einem Fernseher sprechen Personen stumm vor sich hin. Wer das Telefon davor abnimmt, hört immer wieder "Die Verbindung wird gehalten", synchron zu den Lippenbewegungen der Menschen in dem Video - aber mit nur einer Stimme.

Alle fünf Finalisten fordern vom Betrachter einen konzentrierten Blick. "Schön" im dekorativen Sinne ist hier keine Kategorie. Der Betrachter muss sich auseinandersetzen, darf und muss rätseln, soll seine Gedanken kreisen lassen und Verbindungslinien ziehen.

Bei Matthäus Thoma zum Beispiel. Im Atrium der Kunsthalle, wo noch vor wenigen Wochen Fotograf Andreas Mühe sein temporäres Atelier aufgeschlagen hatte, stehen zwei Holz-Objekte. Dazwischen hat Silke Koch eine Batterie von Readymades aufgestellt - Alltagsgegenstände aus den 1970er-Jahren, die zu raketenartigen Formen zusammengesetzt sind. Die aus groben Latten elegant zusammengeschraubten Konstruktionen von Thoma wirken vor diesem Hintergrund, als würden sie Formen von Raumsonden und Raketentriebwerken zitieren.

Oder? Kunsthallen-Chef Dr. Ulrich Ptak lacht: "Ich weiß nicht, ob Matthäus Thoma das so gerne hören wird. Aber doch, ich kann ihnen folgen." Man kann es so sehen, muss es aber nicht. Nur sehen muss man.

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