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„Kunstraub – Raubkunst“ : Konstantinopel – Schwerin

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Schweriner Museum erzählt in neuer Ausstellung „Kunstraub – Raubkunst“ von den Kriminalfällen hinter den Kunstwerken

svz.de von
erstellt am 22.Okt.2014 | 16:49 Uhr

Lastenträger schleppen eine Tonne, ein Zeitungsjunge ruft Schlagzeilen aus, Schuhputzer warten auf Kunden, zwei verhüllte Frauen spazieren mit einem Säugling auf dem Arm. Vor etwa 135 Jahren hat ein unbekannter Maler das pralle Leben auf der Galatabrücke in Konstantinopel festgehalten.

Doch das Gemälde hat zahlreiche Risse. Das Staatliche Museum Schwerin zeigt es dennoch in seiner Ausstellung „Kunstraub – Raubkunst“  ab  morgen bis zum 1. Februar 2015 einem breiten Publikum, weil es die chaotischen Jahre im Nachkriegsdeutschland präsentiert, in der „windige“ Gestalten Kunst- und Kulturgut verhökerten. Das „Panorama von Konstantinopel“ wurde sichergestellt, nachdem der Kunst- und Schwarzmarkthändler Julius Lieskovsky sich 1950 gen Westen aus dem Staub gemacht hatte. Das Museum bewahrt das Gemälde lediglich auf, so Kurator Torsten Knuth. Der Eigentümer ist unbekannt.

Mit der Ausstellung versucht das Museum, durch die Geschichten hinter den Kunstwerken einen Teil seiner eigenen Geschichte darzustellen. „Es ist eine historische Ausstellung“, sagt der stellvertretende Museumsdirektor Gerhard Graulich. So unterschiedlich die Akteure und ihre Motive waren, so unterschiedlich sind auch die Ausstellungsstücke: Gemälde, Waffen, Skulpturen, Graphiken und Münzen verschwanden aus dem Museum und kehrten zum Teil zurück. Oder sie kamen selbst unter dubiosen Umständen in die Schweriner Galerie.

Als Kriegstrophäen raubte Napoleon  1807 mehr als 200 Gemälde aus Schwerin. Nach Napoleons Niederlage kehrten fast alle Bilder nach Schwerin zurück – teilweise restauriert und in neuen Rahmen. Allerdings, so Knuth, sannen gut 100 Jahre später die Nazis immer noch auf Rache. An mehreren Beispielen dokumentiert die Ausstellung die durch den Zweiten Weltkrieg bedingten Verluste des Museums. Die Sowjetunion ließ die herzogliche Waffensammlung abtransportieren. Sie wurde später zurückgegeben.

Das holländische Gemälde „Zwei Kinder im Park“ wurde 1943 im Schloss Ivenack in Sicherheit gebracht. Nach dem Krieg war es jedoch verschwunden. Vor kurzem stellte es das FBI in den USA bei einem Privatbesitzer sicher und gab es dem Schweriner Museum zurück. Als Kunstraub ordnet die Ausstellung auch die Geschichte einer Barlach-Figur ein, die auf Geheiß der Nazis als „entartete“ Kunst 1935 aus der Schweriner Ausstellung entfernt werden musste.

Das Museum litt nicht nur unter Kunstraub. Für den Aspekt der Raubkunst steht ein Fächer, den das Museum 1937 aus dem früheren Eigentum der Jüdin Emma Budge ersteigerte, das dieser vorher abgepresst worden war. Er wurde nach 1990 zurückgegeben. Auch das Gemälde einer Güstrower Freimaurerloge kam, nachdem diese von den Nazis liquidiert war, in Museumsbesitz.

So facettenreich die Ausstellung Kunstraub und Raubkunst darzustellen versucht, manche Zusammenhänge werden leider erst durch den Katalog nachvollziehbar. Unterpräsentiert sind auch jene Kunstschätze, die nach 1933 ins Museum gelangten und von denen das Museum keine direkten Vorbesitzer kennt. Laut einer internen Studie trifft das allein auf 247 Gemälde zu. Dazu gehört seit 1941 auch die „Winterlandschaft“ von Caspar David Friedrich. Vize-Direktor Graulich kündigte allerdings an, dass die ungeklärte Herkunft der Neuzugänge nach 1945 „systematisch untersucht“ werden soll. Einen Zeitpunkt nannte er dafür nicht.

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