Dezentrale Energieerzeugung : Kommunen fehlt Geld

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Trotz bester natürlicher Voraussetzungen hängt der Nordosten bei der Entwicklung von Bioenergiedörfern dem Süden hinterher. Es fehlt am Eigenkapital, so Bertold Meyer von der Akademie für Nachhaltige Entwicklung.

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24. Juli 2012, 08:29 Uhr

Güstrow/Malchin | Trotz bester natürlicher Voraussetzungen hängt der Nordosten bei der Entwicklung von Bioenergiedörfern dem Süden Deutschlands hinterher. "Wenn Kommunen mit der dezentralen Energieerzeugung Geld verdienen wollen, müssen erstmal zwischen vier und zehn Millionen Euro investiert werden. Und da fehlt es bei uns einfach am nötigen Eigenkapital", sagte Bertold Meyer von der Akademie für Nachhaltige Entwicklung (ANE, Güstrow). Er forderte die Landesregierung auf, den Kommunen zu helfen. "Sie müssen jetzt in die Lage versetzt werden, sich an Windparks, Solaranlagen oder Biogas- Anlagen zu beteiligen. Sonst ist der Zug abgefahren", mahnte Meyer unter Hinweis auf laufende Projekte ohne kommunale Beteiligung.

"Die Orientierung auf erneuerbare Energieträger hat den Zugriff auf Land enorm beschleunigt - für den Anbau von Pflanzen zur Erzeugung von Biogas oder auch für Windparks. Die Dörfer müssen sich diese Potenziale in ihrem Umfeld sichern", betonte Meyer. Nur so könnten sie sicherstellen, dass auch die ländliche Bevölkerung von der Energiewende profitiere. Investoren und Kommunen müssten zusammengeführt werden. "Erreichen wir das nicht, schaffen wir dort keine Akzeptanz für Alternativenergien. Dann haben wir Stuttgart 21 auf dem Acker."

Laut Meyer haben im Nordosten bislang mehr als 80 Gemeinden beschlossen, Bio-Energiedorf zu werden. Der Umsetzung gingen oft mehrjährige Planungen voraus. Als einziges Bundesland biete Mecklenburg-Vorpommern ein spezielles Beratungsprogramm für Kommunen an und habe auch ein Netzwerk etabliert. "Es wäre doch Quatsch, wenn jeder vor sich hinwerkelt und nicht von den Erfahrungen der anderen profitiert", sagte Meyer, dessen Heimatdorf Bollewick zu den am weitesten fortgeschrittenen Bioenergiedörfern im Land zählt. Solche Dörfer produzieren mindestens 75 Prozent der Wärme und 100 Prozent des Stroms, den sie verbrauchen, selbst. Ziel sei aber, einen Überschuss zu produzieren und mit dem Verkauf Gewinn zu machen.

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