Kommunalpolitik lockt Frauen nicht

Drei von vier Mandaten gehen an Männer / Zeitprobleme verhindern Engagement

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04. März 2016, 11:23 Uhr

Nur jeder vierte Kommunalpolitiker in Mecklenburg-Vorpommern ist eine Frau. Das ist das Ergebnis einer Studie des Instituts für Politik- und Verwaltungswissenschaften der Universität Rostock. „Damit liegt das Land zwar auf Platz zwei unter den ostdeutschen Bundesländern“, betont Sozial- und Gleichstellungsministerin Birgit Hesse (SPD). Da der Anteil der Frauen an der wählbaren Bevölkerung aber bei 51 Prozent liegt, seien sie deutlich unterrepräsentiert.

Sichtbare Unterschiede gibt es auf kommunaler Ebene zwischen den beiden Landesteilen: Während in Mecklenburg der Frauenanteil in Kreistagen und Stadtvertretungen kreisfreier Städte zwischen 21 und 38 Prozent liegt, sind in den vorpommerschen Kommunalparlamenten nur zwischen 15 und 23 Prozent Frauen vertreten. Die Autoren der Studie führen das auf die Dominanz der CDU im Osten des Landes zurück – durch ihren geringen Frauenanteil auf den Kandidatenlisten senken sie den Gesamtdurchschnitt spürbar. Besonders falle das im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte auf. Vergleichsweise hoch ist der Frauenanteil dagegen in der Rostocker Stadtvertretung, hier sind 22 von 53 gewählten Abgeordneten weiblich. Zum Vergleich: In der Landeshauptstadt sitzen neben 33 Männern nur zwölf Frauen in der Stadtvertretung.

Immerhin: Der Anteil von Frauen in den Parlamenten ist im Regelfall höher als ihr Anteil unter den Kandidatinnen. Und: An den Spitzen der Verwaltungen von Landkreisen und kreisfreien Städten sind Frauen im bundesweiten Vergleich hierzulande besonders häufig zu finden: Während der Bundesdurchschnitt bei 8,3 Prozent liegt, sind in Mecklenburg-Vorpommern zwei von sechs Landräten Frauen. Auch die Präsidien der Kreistage sind zu einem Drittel mit Frauen besetzt. Fraktionsvorsitzende sind dagegen mit 81,8 Prozent überwiegend Männer.

Als Hauptgrund für den geringen Frauenanteil in der Kommunalpolitik macht die Studie aus, dass zum Beispiel bei Sitzungsplanungen zu wenig Rücksicht auf den verfügbaren Zeitfonds von Kommunalpolitikerinnen genommen wird, die häufig nicht nur berufstätig, sondern auch Mütter sind. Dazu kommen weite Entfernungen in den Großkreisen. Ministerin Hesse regt daher unter anderem an, Gremiensitzungen nicht auf Wochenenden zu legen und Besprechungen an wechselnden Orten stattfinden zu lassen. „Das würde ein politisches Mandat für mehr Frauen attraktiv machen“, ist sie überzeugt.

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