Auswirkungen des Streiks : Kommt Post als Weihnachtsgeschenk mit Schleifchen?

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24. Juni 2015, 21:00 Uhr

Nicole Grieser's sarkastischer Kommentar zum Poststreik ist nur einer von Hunderten Reaktionen unserer Leser in allen sozialen Netzwerken. Selten hat ein Thema eine solch emotionale und hitzige Debatte entfacht wie dieser Ausstand.

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Nach Verdi-Angaben beteiligen sich mittlerweile in Hamburg 1600, in Schleswig-Holstein 1700 und in Mecklenburg-Vorpommern 1100 Post-Mitarbeiter am Arbeitskampf. Die Gewerkschaft kündigte für Donnerstag in Rostock und für Freitag in Hamburg, Kiel und Lübeck erneute Kundgebungen an. Der Streik läuft mittlerweile in der dritten Woche. Laut Verdi waren am Mittwoch bundesweit rund 32 000 Beschäftigte zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen, die Post sprach von etwas mehr als 28 000 Streikenden.

Wie gewaltig die Folgen des Streiks sind, zeigen auch die Reaktionen unserer Leser. Schornii DM schreibt auf Facebook, dass er Mitarbeiter entlassen muss, da Ware für die Produktion nicht ankommt, ohne dass es eine Möglichkeit gibt, die Sendungen selbst abzuholen. Auch die Online-Händler René Fieberg und Milena Pisarski berichten von ausstehenden Lieferungen und nörgelnden Kunden, die mit Anzeige drohen. Der Schweriner Enrico Pehns ist ebenfalls in seinem Gewerbe bedroht und schreibt: "Ich hoffe sehr, dass die Post es am Jahresende zu spüren bekommt. Gegen einen Streik habe ich nichts, aber wenn die Gesundheit von Menschen, die Wirtschaft von vielen Betrieben und viele andere Dinge massiv beeinträchtigt werden, hört der Spaß auf. Weiterhin frage ich mich, wie lange die Politik sich das noch anschauen will."

Mandy Schulze wartet auf ihre Mietverträge, Kristin Muhsal fragt sich, wer ihr die per Brief verschickten Gutscheine ersetzt, die mittlerweile verfallen sind. Bei Martina Mohr wurde der Bafög- Antrag nicht bearbeitet, weil die Unterlagen nicht angekommen sind. Sarah Kahrs kann nicht in den Urlaub fliegen, weil wichtige Unterlagen der Krankenkasse nicht vorliegen. Bei Marita Zimmermann wartet man auf den Lehrlingsvertrag der Tochter, der der IHK im Original vorgelegt werden muss. Sandra Le schildert ebenfalls auf Facebook, dass in der Rechtsanwaltskanzlei in Wismar, in der sie arbeitet, der Postkasten leer bleibt.

Anja Niess berichtet davon, dass durch Poststreik Operationen im Krankenhaus abgesagt werden, weil keine Befunde vom Arzt vorhanden sind, da diese mit der Deutschen Post verschickt werden. Sandra Möller bestätigt dies und fügt hinzu, dass wichtige Rezepte bei den Patienten nicht ankommen. Eine Betroffene ist zum Beispiel Katrin Schult, die uns dies über WhatsApp mitteilte.

Einen Vergleich zu seinem Beruf zieht Christian Stollberg (Facebook): "Wir Landwirte haben auch nen Knochenjob und bekommen keine Tarif-Löhne....arbeiten müssen wir trotzdem jeden Tag, sonst verhungern die Tiere und die Pflanzen müssen auch gepflegt werden! Im Durchschnitt arbeiten wir 10-12 Stunden. Dabei ist es egal ob Donnerstag oder Sonntag! Wir sollten auch mal streiken!" Anabel schlägt in die gleiche Kerbe: "Zu gerne würden wir Altenpfleger auch streiken. Geht nicht... Wir arbeiten mit Menschen und die kann man nicht mal eben eine Woche beiseite schieben." Christin Brüser stimmt ihr auf Facebook zu: "Ganz ehrlich, wenn wir das in der Pflege bringen wurden wäre der Stress vorprogrammiert."

Mario Spiekermann findet es sehr interessant, dass über die immensen Nachteile des Poststreiks für die Verbraucher kaum in der Öffentlichkeit berichtet wird, während die GDL eine Super-Lobby hatte.

Dem entgegen steht eine breite Front von Befürwortern des Arbeitskampfes. Stellvertretend für alle resümiert Janine Pox: "Jeder der gegen Streiks ist, ist für die Ausbeutung von Arbeitnehmern!"

Anika Holland spricht das aus, was viele denken: "Ich habe das Gefühl, dass Streiken der neue Trend ist. Jeden Monat streikt ein Anderer, Wahnsinn."

Bei etlichen Post-Kunden herrscht Frust am Briefkasten. Und in den MV-Briefzentren stapeln sich angesichts des wochenlangen Streiks die Sendungen. Turmhoch!

Posted by svz.de - Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern on  Dienstag, 23. Juni 2015
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