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Mecklenburg-Vorpommern

14. Dezember 2017 | 01:56 Uhr

Neubrandenburg : Kommt Marx zurück?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Historiker kritisiert Pläne für Denkmal in Neubrandenburg

Der Historiker Fred Mrotzek hat Pläne der Linken, ein Denkmal für Karl Marx in Neubrandenburg wieder aufstellen zu lassen, scharf kritisiert. „So etwas ist nach all den Schrecknissen des Kommunismus und Sozialismus heute schlichtweg ein Unding“, sagte der Rostocker Wissenschaftler. Solche ehemaligen Denkmäler wären im Museum gut aufgehoben. Und wenn sie doch irgendwo aufgestellt würden, dürfe dies schon gar nicht unkommentiert geschehen. Das Marx-Denkmal war 2001 abgebaut worden.

Nach 1989 wurden vielerorts Denkmäler für die „Vordenker des Sozialismus“ entsorgt, in Mecklenburg-Vorpommern finden sich aber noch mehrere solcher Relikte. „Wonach sich die Aufstellung in damaligen Bezirksstädten richtete, ist bisher nicht klar“, sagte Mrotzek. Wie das Straßenbild möglichst sozialistisch „mit den damaligen Säulenheiligen“ gestaltet wurde, habe vermutlich an der Prämisse der Machthaber, den örtlichen SED-Bezirksleitungen, gelegen.

So bekam Neubrandenburg schon 1969 einen 2,20 Meter hohen Marx im Zentrum. Schwerin hatte ab 1985 einen Lenin, der noch immer steht und 2007 eine Zusatztafel erhielt. Darauf steht auch, dass Lenins Diktatur den Weg für den kommunistischen Terror des 20. Jahrhunderts bereitete, dem Millionen von Menschen zum Opfer fielen. Eine Marx-Büste, die an einer nach dem Philosophen benannten Schule stand, wurde 1990 abgebaut.

In Rostock stellte man in den 1970er-Jahren das Denkmal für die revolutionären Matrosen am Kabutzenhof auf. „Es soll die größte figürliche Menschendarstellung in der DDR gewesen sein und sollte an den Kieler Matrosenaufstand von 1918 erinnern“, sagte ein Stadtsprecher. Einen Marx oder Lenin habe es in Rostock nicht gegeben.

In Stralsund erinnert noch immer ein übergroßer Ernst Thälmann, der über den Strelasund nach Rügen blickt, an die DDR-Vergangenheit. „Wenn überhaupt solche Denkmäler bleiben, sollten zusätzliche Texte diese besser geschichtlich einordnen“, forderte Mrotzek. Das gelte auch für Straßennamen, bei denen sich der Historiker einen härteren Kurs wünschen würde.

In Neubrandenburg sollen die Stadtvertreter heute über die Wiederaufstellung des Marx-Denkmals diskutieren. Man will erreichen, dass Oberbürgermeister Silvio Witt (parteilos) eine „Variantenprüfung“ vornehme. „Wir sehen in der Absicht, Karl Marx zu ehren, nichts Verwerfliches“, sagte Regina Bärens vom Vorstand des Stadtverbandes der Linken. Auf jeden Fall müsste so ein Denkmal heute kommentiert werden, erklärte auch Oberbürgermeister Witt.

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