Festspiele MV : „Kommt der Komponist noch?“

Das Armida Quartett bei der Probe: Primarius Martin Funda, Kit Armstrong, Johanna Staemmler (2. Geige), Teresa Schwamm (Bratsche), Peter-Philipp Staemmler (Cello) Fotos: Christoph Forsthoff
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Das Armida Quartett bei der Probe: Primarius Martin Funda, Kit Armstrong, Johanna Staemmler (2. Geige), Teresa Schwamm (Bratsche), Peter-Philipp Staemmler (Cello) Fotos: Christoph Forsthoff

Probenreport zum Preisträger-Projekt mit Kit Armstrong aus Hasenwinkel – die Musiker gehen mit dem Programm auf Festspieltour

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26. Juli 2018, 05:00 Uhr

„Habt Ihr vor, zusammen aufzuhören?“ Kit Armstrong ist ein höflicher Mensch, der den feinen Humor liebt. Nie würde der Pianist gegenüber seinen Streicherkollegen vom Armida Quartett unmittelbar anmerken, dass die Vier sich am Ende des Kopfsatzes von Elgars Quintett in puncto Tempi gerade nicht so wirklich einig waren – doch die Berliner verstehen den indirekten Hinweis nur zu gut. „Klar, das haben wir vor“, lacht Bratscherin Teresa Schwamm. „Es ist halt ein neues Stück für uns…“

Wie gut also, dass die Festspiele MV den Musikern für das Programm des Preisträger-Projektes reichlich Probenzeit eingeräumt haben in Hasenwinkel, wo die Nordmetall-Stiftung als Hausherr und Sponsor ihr Seminarhotel der kleinen Künstlerschar für eine Woche überlassen hat. Denn der 26-jährige Brite hat für diese Phase seiner diesjährigen Preisträger-Residenz zwar neben den Armidas lediglich noch Cellist Daniel Müller-Schott und Klarinettist Matthias „Schorny“ Schorn um sich geschart, doch die ausgewählten Werke bergen nicht allein für die Streicher so manche Herausforderung.

„Kommt der Komponist noch? Das würde vielleicht helfen…“ Auf Schornys Gesicht steht an diesem Nachmittag mehr als ein Fragezeichen: Schließlich liegen auf den Pulten Uraufführungsnoten – für ein Klarinettenquintett nach einem Mozart-Fragment aus Armstrongs Feder. Letzter hat sich ob der Hitze zwar gerade für ein Nickerchen zurückgezogen, steht jedoch schon kurz darauf in der Tür – und sondiert erst einmal schalkhaft die Stimmung: „Bin ich immer noch willkommen…?“

Ist der schmächtige junge Mann fraglos – und das nicht allein ob manch rhythmischer Herausforderung seines Werkes. Und so gibt der Pianist nicht nur immer mal wieder den Einsatz, sondern merkt auch Details an: „Der Anfang darf ruhig schnell sein“ – „Das kann etwas mehr Fieber haben“ – „Die zweite Geige war hier drei oder vier Sechzehntel zu früh…“.

„Um Gottes willen!“ spielt Schorn den Empörten – und kassiert kurz darauf dann die Retourkutsche, als Armstrong einen verspäteten Einsatz der Klarinette anmerkt. „Raus mit Dir!“ kontert Armida-Primarius Martin Funda. Heiterkeit in der Runde trotz aller musikalischer Herausforderungen und der Tatsache, dass die Hoffnung des österreichischen Bläsers auf eine kurzfristige Verschiebung der Uraufführung in dieser heißesten Woche des Jahres wohl unerfüllt bleiben wird: „Vielleicht kommt ja noch ein Schneesturm…“

Alles andere als eisig ist denn auch die Atmosphäre in diesen Hochsommertagen. Mag der Schweiß in den Proben rinnen, die Luft in den Schlossräumen bisweilen zum Schneiden sein: Das Miteinander und die Stimmung untereinander zeugen von echtem Teamgeist – und das nicht allein, wenn sich Müller-Schott an das legendäre Festspiel-Fußballturnier seiner eigenen Preisträger-Residenz im Sommer vor zehn Jahren erinnert. Heute steht für den 41-Jährigen allerdings nicht das runde Leder im Fokus, sondern Anna: Fünf Monate alt ist seine Tochter – und lauscht doch bereits sehr aufmerksam Papas Interpretation von Beethovens A-Dur-Sonate… ja, die Füßchen wippen sogar im Takt!

In letzteren haben am Ende der Probe auch die Armidas und Schorn wieder gefunden: „Das ist ein Superstück, Kit, wirklich!“ Der Gelobte ist mit seinen Gedanken indes schon beim Programm für den Abend: Hat sich der studierte Mathematiker doch da „zur Abwechslung“ von jedem eine Powerpoint-Präsentation über ein Hobby jenseits der Musik gewünscht! Ein näheres Kennenlernen über Leidenschaften – die bei Armstrong einmal mehr staunen lassen ob der Breite seines Wissens: Ohne große Vorbereitung hält er einen Vortrag über die karolingische Renaissance! Und lauscht doch ebenso aufmerksam Schorns Ausführungen zur Bienenzucht – der Wiener Hobbyimker hat sogar ein Glas eigenen Blütenhonigs zum Kosten mitgebracht – und beteiligt sich voller Begeisterung am humorvollen Kurs der Festspiel-Mitarbeiter Frederik Tietz und Sören Schilpp über die Kunst des Krawattenbindens. Klar, dass auch hier bei dem Meisterpianisten am Ende selbst der Windsorknoten perfekt sitzt.
 

Konzerte des Preisträger-Projektes

26.7. Rühn, 19.30 Uhr, Klosterkirche
27.7. Hohen Luckow, 19.30 Uhr, Schloss
28.7. Greifswald, 18 Uhr, Aula der Universität
29.7. Wismar, 14+18 Uhr, Heiligen-Geist-Kirche

Karten: 0385/5918585

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