Kommt der Beluga-Auftrag?

Recht zugeknöpft gab sich Russlands Wirtschaftsministerin Elvira Nabiullina bei einem Treffen mit ihrem Amtskollegen Rainer Brüderle (l.), als es um die Werften in MV ging.<foto>dpa</foto>
Recht zugeknöpft gab sich Russlands Wirtschaftsministerin Elvira Nabiullina bei einem Treffen mit ihrem Amtskollegen Rainer Brüderle (l.), als es um die Werften in MV ging.dpa

svz.de von
21. Februar 2010, 06:29 Uhr

Berlin/Rostock | Deutschlands oberster Wirtschaftspolitiker gab sich versöhnlich-diplomatisch, doch hinter den Kulissen konnten seine Experten ihren Unmut über die Moskauer Partner kaum verhehlen. "Der deutsche Steuerzahler steht für die Finanzierung ein, die Russen lachen sich ins Fäustchen", urteilte ein Beamter aus der Reisegruppe von Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) am Wochenende über den erfolglosen Versuch, die russische Politik bei den dringend benötigten Aufträgen für die darbenden Nordic-Werften in die Pflicht zu nehmen. Völlig unvorbereitet scheint die Absage von Brüderles Kollegin Elvira Nabiullina die deutsche Seite indes nicht getroffen zu haben: Noch während beide Ressortchefs verhandelten, ließ die Bundesregierung eigene Pläne zur Rettung der Werften durchblicken.

Die Bremer Spezialreederei Beluga soll kurz vor der Vergabe eines Millionenauftrags an die seit Juni 2009 insolventen Schiffbaubetriebe in Wismar und Rostock-Warnemünde stehen - mit einer großzügigen Förderung des Deals wollen Bund und Banken offenkundig nachhelfen. Heute will sich der Vorstand der Staatsbank KfW mit dem Geschäft befassen. Im Gespräch seien Kredite und Bürgschaften über 180 Millionen Euro. Auch die HSH Nordbank soll im Boot sein.

Nabiullina wusste wohl davon, dass sich deutsche Bestellungen anbahnten. Denn wenn ein Abschluss zustande kommt, könnte Nordic vorerst gerettet sein - ohne dass die russischen Eigentümer einen größeren Beitrag geleistet hätten. Die Freude in Brüderles Delegation über die eigentlich guten Nachrichten aus Bremen dürfte sich daher in Grenzen gehalten haben. Beim Thema Nordic hatte Nabiullina auf stur geschaltet: Moskau lägen die eigenen maroden Werften eben näher am Herzen als zwei Betriebe an der fernen mecklenburgischen Ostseeküste.

Längst vergessen sind die warmen Worte, die Russlands Präsident Dmitri Medwedew beim Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) im vergangenen Jahr für die Wadan-Übernahme gefunden hatte. Der Einstieg des früheren Nord-Stream-Managers Witali Jussufow, der die Werften im August für 40,5 Millionen Euro kaufte und in Nordic Yards umbenannte, war einhellig auf Zustimmung gestoßen. Ein halbes Jahr danach liegt Jussufows Strategie jedoch immer noch im Dunkeln. Will der Russe, dessen Vater Igor als früherer Energieminister über beste Drähte in den Kreml verfügen soll, die Werften wirklich langfristig zum Erfolg führen - oder möglicherweise das Know-how abschöpfen?

Im Fall der Traditionswerften mischt die Bundesregierung seit Monaten im Hintergrund mit. Ein Deutschlandfonds wurde aufgelegt, um gesunden Firmen mit staatlichen Krediten und Bürgschaften eine Brücke bis in die Zeit nach der Krise zu bauen. Beim Beluga-Auftrag könnte nun die KfW geradestehen.

Brüderle betonte am Wochenende zwar, zunächst müssten Nordic und die Auftraggeber ihre Hausaufgaben machen. Der Staat könne aber gegebenenfalls flankierend helfen. "Wir sollten uns auf Notmaßnahmen konzentrieren und nicht meinen, dass der Staat der bessere Unternehmer ist", erklärte er dpa. Eine offizielle Bestätigung für ein abgesichertes Geschäft gab es weder von Nordic noch von Beluga.

Für die in Aussicht gestellte "Notmaßnahme" wäre es höchste Eisenbahn. Das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern hat sich bereits darauf festgelegt, die beiden Transfergesellschaften für die einst 2500 Schiffbauer der Standorte nicht über Ende März hinaus zu verlängern.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen