zur Navigation springen

Aus dem Gerichtssaal : „Kommissar Zufall“ stellt Drogenkurier

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mit 44 Kilogramm Marihuana im Auto erwischt. Urteil: Vier Jahre und vier Monate Haft

von
erstellt am 14.Sep.2016 | 06:30 Uhr

Der legendäre „Kommissar Zufall“ hat die Polizei auf die Spur eines Drogenkuriers geführt. Gestern wurde ein 29 Jahre alter Slowake vom Landgericht Schwerin zu vier Jahren und vier Monaten Gefängnis verurteilt. Er hatte 44 Kilogramm Marihuana im Auto, als die Beamten ihn auf einem Parkplatz an der A 24 kontrollierten. In kleinen Portionen an Drogenkonsumenten verkauft, hätten seine Auftraggeber 440 000 Euro einnehmen können.

Der Mann war geständig, soweit es den Drogentransport anging. Über Hintermänner oder Komplizen schwieg er sich aus. Eines Nachts im vergangenen April geriet er zufällig ins Visier zweier Polizisten. Eigentlich wollten sie überprüfen, ob der Kleinbus, in dem der Mann unterwegs war, nicht gestohlen war. Das Modell ist bei Autodieben beliebt. Sie dirigierten den Wagen auf einen Parkplatz und der Fahrer zeigte ihnen bereitwillig seine Papiere. Als einer der Beamten um den Wagen beiläufig ins Innere des Wagens schaute, entdeckte er verdächtige Plastiksäcke vor der Rückbank. Im Heckbereich war unverpacktes Pflanzenmaterial bis zu 50 Zentimeter hoch aufgeschüttet. Der Fahrer hatte sich nicht einmal die Mühe gemacht, seine illegale Fracht zu verdecken. „Die Polizisten staunten nicht schlecht über die Dreistigkeit und die Dummheit dieses Transporteurs“, berichtete der Vorsitzende Richter Piepel während der Urteilsbegründung. Der Slowake hatte lediglich versucht, den strengen Geruch des Marihuanas mit „Playboy“-Deo zu überdecken – vergeblich. Das Kraut war zum Teil frisch geerntet. Die Menge übertraf jene, die jemand für den eigenen Gebrauch mit sich führen darf, um das 1000-fache.

Anfangs wollte der Slowake den Ermittlern weismachen, er sei während eines Urlaubs mit seinem aus Vietnam stammenden Chef in Holland unter dubiosen Umständen von einem anderen Vietnamesen mit einer Pistole gezwungen worden, den Kleinbus nach Berlin zu bringen. Dieser Vietnamese sei heimlich aus dem Wagen gesprungen, als der Kleinbus von den Polizisten kontrolliert werden sollte. Während des Prozesses räumte er ein, er habe sich in Prag für 450 Euro zu dieser Kurierfahrt anwerben lassen, weil er arbeitslos war und dringend Geld brauchte. Der gelernte Maschinenbaumechaniker hatte kurz zuvor seinen Job verloren. Von dem bedrohlichen dritten Mann war keine Rede mehr.

Mit einer Haftstrafe von vier Jahren und vier Monaten blieb das Gericht unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, den Angeklagten für fünf Jahre ins Gefängnis zu stecken. Die Staatsanwaltschaft sah ihn nicht nur als Helfer bei Drogengeschäften, sondern als Drogendealer. Die Richter meinten jedoch, nachzuweisen sei ihm nur die Kurierfahrt. Am An- und Verkauf sei ihm eine Beteiligung nicht nachzuweisen, auch wenn sich auf seinem Smartphone SMS fanden, die einen vertrauten Umgang mit mehreren Unbekannten nahelegen, die in diesen Marihuana-Transport verwickelt waren.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen