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Neue Impulse für deutsche Bühnen : Komisches Theaterjahr dank Herbert Fritsch

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Das hat man auf den Theaterbühnen im Lande lange nicht gesehen: Schauspieler im komischen Ausnahmezustand und ein Publikum, das nach anfänglichem Zögern gar nicht mehr aufhören mag zu lachen.

Berlin | Das hat man auf den Theaterbühnen im Lande lange nicht gesehen: große Kostüme mit Reifrock und turmhohen Rokoko-Perücken, bunt geschminkte Gesichter, Schauspieler im komischen Ausnahmezustand und ein Publikum, das nach anfänglichem Zögern gar nicht mehr aufhören mag zu lachen. Es ist das Jahr des Herbert Fritsch, der landauf landab mit seinen Inszenierungen zunächst in der Provinz, aber dann auch an den großen Häusern in Hamburg und Berlin Furore machte.

Dabei ist Fritsch bereits 60 und als Regisseur ein Neuling, wurde vom Berliner Volksbühnen-Schauspieler zum gefeierten Regie-Wunderkind. Keiner wagt (und kann) so wie er mit der elitären Hochkultur spielen.

Beim Theatertreffen im Mai in Berlin, der Zusammenkunft der Besten eines Theaterjahrgangs, kam der Durchbruch des älteren Debütanten. Mit Inszenierungen aus Schwerin ("Der Biberpelz") und Oberhausen ("Nora") setzte er ein Ausrufezeichen bei der zuletzt doch sehr in Ehrfurcht vor einigen Regiemeistern erstarrten Veranstaltung. Seitdem reißen sich auch die großen Häuser um ihn, und so kehrte er auch an die Volksbühne zurück und inszenierte dort mit umwerfenden Schauspielern wie Sophie Rois und Wolfram Koch als Senffabrikanten-Ehepaar Klinke die Boulevardklamotte "Die spanische Fliege".

Mit seiner jüngsten Regiearbeit, dem "Raub der Sabinerinnen" am Hamburger Thalia Theater, zeigte er nach Ansicht der "Zeit" seinen "unbedingten Willen zur Peinlichkeit" und "verweigert sich bewusst jeder Frage nach Sinn". "Fritsch verzerrt die Wirklichkeit, aber durch das herzhafte Lachen erkennt man die Wirklichkeit besser", erklärt der Intendant des Deutschen Theaters Berlin, Ulrich Khuon, den fulminanten Erfolg des Regie-Neulings.

Ein unverhofftes Comeback erlebte ein weiterer 60-Jähriger: Frank Castorf. Nach einigen ideenlosen Jahren als Chef der Berliner Volksbühne galt er als ausgebrannt und sich ständig selbst zitierend. Doch 2011 lief es plötzlich wieder rund: Der Übervater des Regietheaters wurde vom Magazin "Focus" zum wichtigsten Theatermacher gekürt, gefolgt von Luc Bondy und Andreas Kriegenburg.

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erstellt am 31.Dez.2011 | 02:51 Uhr

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