Kollisionskurs auf der Autobahn

Fotos: Michael-Günther Bölsche
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Fotos: Michael-Günther Bölsche

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18. Januar 2013, 08:00 Uhr

Schwerin/Jesendorf | "Vorsicht, Falschfahrer!" Es ist kurz nach 8 Uhr, im Radio kommt die Warnmeldung über einen Falschfahrer auf der Autobahn 14 zwischen Wismar und Schwerin. Nur relativ wenige Pkw und Lkw sind auf der Strecke unterwegs. In Fahrtrichtung Wismar passieren mehrere Fahrzeuge die Abfahrt Schwerin-Nord.

Etwa zwei bis drei Kilometer weiter fährt ein Berliner Pkw-Fahrer nach eigener Aussage mit etwa 140 km/h, als er plötzlich ein Auto auf sich zukommen sieht. Geistesgegenwärtig zieht er das Lenkrad nach rechts und kommt auf dem Standstreifen zum Stehen.

Ein hinter ihm fahrender BMW schafft es nicht mehr - in voller Fahrt kracht der Wagen in den entgegenkommenden Smart.

In dem Kleinwagen sitzt eine 72-jährige Frau aus der Region Schwerin. Die Falschfahrerin ist auf der Stelle tot.

Die Wucht des Aufpralls ist so stark, dass Autoteile durch die Luft fliegen. Während der Smart relativ schnell zum Stehen kommt, landet der BMW etliche Meter entfernt auf der Seite. "Wir mussten die Frau, die am Steuer saß, aus dem Wrack schneiden. Zum Glück hat sie diesen Crash überlebt", sagt Manfred Jedzik von der Freiwilligen Feuerwehr in Leezen, der mit seinen Kameraden vor Ort war.

Die 44-Jährige wird vor Ort im Rettungswagen versorgt und dann per Helikop ter in die Schweriner Klinik geflogen. Für die Landung und den späteren Start wird auch die Richtungsfahrbahn Schwerin komplett gesperrt.

Für die 72-jährige Falschfahrerin kommt dagegen jede Hilfe zu spät. Sie stirbt in ihrem Auto und wird später von den Kameraden geborgen. Das Wrack ist dermaßen zerquetscht, dass auch hier schwere Technik der Feuerwehren Leezen und Cambs zum Einsatz kommt.

Derweil ist auch ein Sachverständiger der Dekra eingetroffen. Akribisch untersucht er die Unfallstelle, sucht nach Spuren auf dem Asphalt und will so Erkenntnisse über den Unfallhergang finden. Gemeinsam mit den Erkenntnissen der polizeilichen Ermittlungen sollen so der mögliche Unfallhergang und die Ursachen erforscht werden. Warum die Frau auf die falsche Richtungsfahrbahn fuhr, ist völlig offen. "Einen Suizidversuch schließen wir nach ersten Erkenntnissen aus", meint André Falke, der Pressesprecher der Polizeiinspektion Wismar. Ebenso wird untersucht, wo sie auf die Autobahn auffuhr und mögliche Zeugen, die die Falschfahrerin gesehen haben, sollten sich bei der Polizei melden.

Es ist kein leichter Einsatz für die beteiligten Rettungskräfte. Ob Polizei, Feuerwehr und medizinische Fachkräfte - sie alle müssen derartige Einsätze auch verkraften. "Wir bereiten das in den jeweils beteiligten Dienstgruppen auf, reden miteinander. Das hilft sehr, das Erlebte zu verarbeiten", sagt der Polizeisprecher. Auch bei den Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr ist dies nicht anders. "Zum einen haben wir nach Einsatz ende miteinander geredet und zum anderen haben wir am Abend den planmäßigen Dienstabend. Auch da werden wir dieses Geschehen nochmals auswerten", erklärt Jedzik. Im Übrigen kommen an vorderster Stelle nur die älteren Kameraden zum Einsatz und die Jüngeren werden mit anderen Aufgaben betreut.

Zum Einsatz kommen in Mecklenburg-Vorpommern bei Bedarf Notfallseelsorger. Die Freiwillige Feuerwehr in Parchim ist in der glücklichen Lage, in ihren Reihen mit Peter Stockmann einen Pastor zu haben, der zum Notfallseelsorgeteam der Johanniter Unfallhilfe in Leezen gehört. Diese Gruppe, ihr gehören derzeit vier Personen an, soll verstärkt werden und sucht dafür noch ehrenamtliche Mitstreiter.

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