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Mecklenburg-Vorpommern

12. Dezember 2017 | 14:47 Uhr

Tierisch : Kollege Hund: Tika setzt Maßstäbe

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Schäferhündin unterstützt die Arbeit im Rostocker Lernzentrum / Kinder entspannen sich in ihrer Gegenwart / Heute Aktionstag

Normen schmiegt sich an Tika, streichelt ihr Fell und wird ganz still. Ein Lächeln hält sich auf seinen Lippen. Die Schäferhündin beruhigt den lebhaften Jungen, sie gleicht ihn aus. Normen Meierhoff macht gerade eine Pause. Bis eben hatte der Zehnjährige noch Deutsch gelernt. „Damit geht es schon viel besser“, sagt seine Mutter – und zwar seit Normen mit Tika lernt.

Zusammen mit vier anderen Kindern ist der Zehnjährige jeden Mittwoch im Dybuster Lernzentrum MV in Lütten Klein. Dort holen die Kinder nach, was ihnen in der Schule schwer fällt. Und dort ist auch Tika. Die siebenjährige Hündin ist ein geprüfter Besuchshund. Sie ist mit Frauchen Heike Cantow, der Leiterin des Lernzentrums, auch für den Malteser-Besuchshundedienst im Einsatz. Für die Kinder, die im Zentrum lernen, soll sie eine Hilfe sein. „Die Kinder können durch Tika auch einen Moment die Seele baumeln lassen“, sagt die Pädagogin.

Cantows Konzept geht auf. Normen hatte früher wirklich große Probleme mit Deutsch, erzählt seine Mutter. Der Lehrer vom Lernzentrum, der sie für die Nachhilfe einmal die Woche in Kühlungsborn besuchte, sei zwar gut gewesen, aber so richtig wollte es für Normen nicht funktionieren, sagt seine Mutter. Etwas fehlte ihm. Als der Lehrer kurzzeitig ausfiel, kam sie direkt ins Zentrum – und es klappte. Normen baute eine Bindung zu Tika auf. „Die Kinder lernen völlig anders, sie machen auch mit, was sie sonst nicht wollen oder können“, berichtet auch Cantow.

Die 90-minütigen Kurse im Zentrum werden über ein Bildungspaket des Landes gefördert. Tika gibt es quasi oben drauf. Mit Eltern und Lehrern hat Heike Cantow die besondere Situation besprochen und viel Rückenwind bekommen. Tika ist anscheinend ein guter Kollege. Wenn ein Lehrer vorbeikommt, streichelt er sie oder bittet sie in den Klassenraum.

Die sanftmütige Hündin bewegt sich frei durch die Räume. Wenn sie müde ist, legt sie sich in den Besucherraum neben das Sofa und schläft. Nach der Arbeit powert sie sich mit Frauchen beim sportlichen Spiel aus – zum Ausgleich.

Heide-Marie Stromberg ist begeistert von Hund, Frauchen und Konzept. Sie ist ehrenamtlich beim Rostocker Tierschutzverein tätig und organisiert den diesjährigen Aktionstag „Kollege Hund“, der morgen stattfindet. Dabei sind Arbeitgeber aufgerufen, ihren Mitarbeitern zu ermöglichen, ihren Hund mit ins Büro zu bringen.

Tika ist für die Tierschützerin ein Parade-Kollege, schon allein, weil sie ständig in den Räumen des Zentrums in der Stockholmer Straße 1 ist. „Frau Cantow ist ausgeglichener, weil sie ihre Hündin um sich hat und die Kinder lernen besser“, sagt Stromberg. So ist es schon seit sieben Jahren. Seit Tika auf der Welt ist, begleitet sie Frauchen zur Arbeit, zur Nachhilfe für Kinder. Seit seiner Gründung vor zweieinhalb Jahren kommt sie mit in das Lernzentrum. Das ist eine Seltenheit, weiß Stromberg. Es sei im Einzelhandel typischer, wenn der „Arbeitnehmer zugleich auch Arbeitgeber“ ist. In großen Firmen in Rostock dürften kaum Hunde mit ins Büro. Dabei würden sich die Tiere positiv auf das Betriebsklima und sogar den Blutdruck auswirken. Das befindet auch der Dachverband, der Deutsche Tierschutzverein und rief den Aktionstag „Kollege Hund“ 2008 ins Leben.

Der Tierschutzverein sucht noch Teilnehmer vor Ort. Denn mit den Anmeldungen sieht es mau aus. Bisher machen ein Buch- sowie ein Schreibwarenhandel mit. Der Verein informiert, berät, verteilt Plakate und Türschildchen, die darauf hinweisen, dass ein Hund im Büro ist. Die Weichen für ein hundefreundliches Rostock – auch am Arbeitsplatz – sind gestellt. Fehlen nur noch aufgeschlossene Firmen: Die können sich beim Verein melden und bis morgen einen neuen Kollegen einstellen – für eine Abwechslung, ein entspanntes Klima und ja auch erstmal nur für einen Tag.

Kontakt: Tierschutzverein Thierfelderstraße 19, Telefon: 0381/4001250, E-Mail: rostockertierschutzverein@web.de Büro: Mo 11 bis 14 Uhr, Di, Do 14 bis 17 Uhr, Mi 10 bis 12 Uhr

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