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Mecklenburg-Vorpommern

24. November 2017 | 06:59 Uhr

Kohl kleben - und ab zur Post

vom

svz.de von
erstellt am 16.Jan.2011 | 06:55 Uhr

Berlin | Die Präsentation von Briefmarken gehört zu den einfacheren Aufgaben eines Finanzministers. Zum Wochenanfang stellte Wolfgang Schäuble gut gelaunt zusammen mit dem Bundespräsidenten die neuen Wohlfahrtsbriefmarken vor. Ausgewählt wurden vier Motive von Loriot - darunter eine Szene mit Herrn Müller-Lüdenscheid und Dr. Klöbner in der Badewanne. In ein paar Monaten wird es aber für Philatelisten und CDU-Anhänger einen viel wichtigeren Termin geben: Altkanzler Helmut Kohl wird noch 2011 mit einer Sonderbriefmarke geehrt.

Bei der CDU gehörte der Ruf nach dieser Auszeichnung für den Kanzler der Einheit zum Ritual vieler Bundesparteitage. Im vorigen November war es beim Treffen der Parteifamilie in Karlsruhe wieder so weit - generationenübergreifend wurde der Antrag angenommen, den langjährigen Parteichef so zu ehren. Im Gleichschritt hatten Junge Union und Senioren-Union die Sonderbriefmarke als Anerkennung für die politische Lebensleistung des heute 80-Jährigen vorgeschlagen.

In Berlin taten sich die CDU-Spitzen lange schwer mit dieser Idee. Als Vorwand diente auch die Regel, dass lebende Personen nicht auf Sonderbriefmarken abgebildet sein sollen. Das Verhältnis von Merkel und Schäuble zu Kohl war wegen der großen CDU-Spendenaffäre viele Jahre angespannt. Zum 80. Geburtstag des Ex-Patriarchen zeigte sich die Kanzlerin aber schon im April 2010 versöhnlich. Sie dankte Kohl sehr persönlich für seine Leistungen.

Nun haben Merkel und Schäuble endgültig grünes Licht gegeben, um den Wunsch der Parteibasis für die symbolische Aktion zu erfüllen. "Sie freut sich und findet, dass das verdient ist", sagte Merkels Sprecher Steffen Seibert. Kohl werde als Ehrenbürger Europas gewürdigt - so wie im Jahr 1977 der Franzose Jean Monnet, der außer der Reihe zu Lebzeiten eine Sonderbriefmarke bekam. Eine Ausnahme war auch der deutsche Papst Benedikt XVI. Ansonsten steht nur dem Bundespräsidenten dieses Privileg zu. Seit Richard von Weizsäcker hat aber kein Staatsoberhaupt das beansprucht. Ein Renner war die Sonderbriefmarke für den Berliner Kult-Eisbären Knut - ebenfalls zu Lebzeiten.

Ab wann die Kohl-Marke millionenfach geklebt und in Briefkästen geworfen werden kann, steht noch nicht fest. Das gilt auch für den gestaltenden Künstler und das Motiv. Im Internet wird schon länger heftig über die gezackte Auszeichnung gestritten. Einer Facebook-Gruppe "Sonderbriefmarke für Dr. Helmut Kohl" gehören rund 2600 Mitglieder an. Aber auch die Gegner sind online aktiv und empören sich da rüber, dass "Helmut Kohl ("Birne") alias "Dr. Schwarze Kasse" eine Sonderbriefmarke erhält.


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