Schienenersatzverkehr Bad Kleinen : Knoten für die Region

Der Bahnhof in Bad Kleinen wird bis 2019 umgebaut.
Der Bahnhof in Bad Kleinen wird bis 2019 umgebaut.

Seit einer Woche verkehrt zwischen Schwerin und Bad Kleinen Schienenersatzverkehr

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16. Januar 2018, 05:00 Uhr

Unter der dicken Jacke noch zwei Pullover: Pendlerin Jenniver-Louise Tayebi-Grant aus Schwerin hat sich für den Heimweg gegen die Kälte gerüstet. Um 7 Uhr ist sie nach ihrer Nachtschicht in Lübeck in den Zug gestiegen. Beim Umstieg in Bad Kleinen um kurz vor 8 Uhr steht der Bus in die Landeshauptstadt schon bereit. Frieren muss sie heute nicht. „Ich arbeite als Dauernachtwache in einem Lübecker Pflegeheim“, erzählt die Schwerinerin. Das Pendeln mit Baustellen habe sie oft erlebt, die jetzige verlängert ihre Heimfahrt nur um 15 Minuten. „Ich bin daher wirklich entspannt, es klappt alles gut“, sagt sie. Seit vergangener Woche ist die Bahnstrecke zwischen Schwerin und Bad Kleinen gesperrt. Bis zum 14. April bleibt die Hauptader des Schienenverkehrs in MV gekappt. Die Bahn investiert 62 Millionen Euro, um mit den Trassen in und um Bad Kleinen einen Knotenpunkt für den mecklenburgischen Regionalverkehr zu schaffen. Bad Kleinen bekommt für 25 Millionen Euro einen neuen Bahnhof. Nun muss vor Lübstorf auf 450 Metern das Kronsdorfer Moor mit Stahlbeton neu überspannt werden, damit auf der Strecke Züge mit bis zu 160 Kilometern pro Stunde fahren können.

„Es ist aus Fahrgastsicht absolut zu bemängeln, dass man bei einer zweigleisigen Strecke eine Vollsperrung durchführen muss“, sagt Marcel Drews, vom Fahrgastverband Pro-Bahn MV. Für Kunden, die etwa auf einen Rollstuhl angewiesen sind, kann ein Umstieg von Bahn zu Bus in Bad Kleinen aktuell nicht gewährleistet werden. Sie sollen in Ventschow/Blankenberg, Lübstorf oder Schwerin zusteigen. Da die Bahn Reisenden aus Hamburg auch die Umfahrung Schwerins über Lübeck empfiehlt, wäre, so Drews, eine Direktverbindung ohne Umstieg von Lübeck nach Rostock sicher zielführender gewesen. Die Bahn verteidigt die Vollsperrung. „Aufgrund von Umweltschutzauflagen an der Moorstelle ist das sonst übliche Anlegen von Baustraßen nicht möglich. Das Moor ist daher vom Gleis aus abzutragen“, erklärt Gisbert Gahler vom Berliner Regionalbüro Kommunikation der Bahn AG.

 

Im Schienennahverkehr werden zwischen Rostock und Schwerin im Jahresmittel täglich 3000 Personen befördert, dazu kommen 2000 Fahrgäste in Fernverkehrszügen der DB, teilte Renate Gundlach, Pressesprecherin im Infrastrukturministerium MV, mit. Zwischen Wismar und Schwerin sind es 1700 Fahrgäste pro Tag. Der Schienenersatzverkehr sei nach diesen Zahlen bemessen. „Sollten Kapazitätsprobleme auftreten, wird kurzfristig nachgesteuert“, so Gundlach.

Auch wenn die Buskapazitäten am Montagmorgen zumeist reichen, spätestens am Freitagnachmittag seien die Busse in Richtung Schwerin voll, berichtet Jenniver-Louise Tayebi-Grant. Aber all das sei gut zu ertragen und sie ergänzt: „Beim Bahnfahren kann ich entspannen und Musik hören. Ein Auto wäre für mich daher keine wirkliche Option.“

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