zur Navigation springen

Gemüsebauern in MV : Knochenarbeit für wenig Geld

vom

Monika Elgeti setzt auf Nischenprodukte. Auf 800 Quadratmetern hat die Landwirtin aus Ikendorf vor den Toren Rostocks Petersilie angebaut. Von Mitte Juni bis Ende Oktober kann sie die grünen Küchenkräuter ernten.

svz.de von
erstellt am 29.Sep.2013 | 05:03 Uhr

Crivitz | Monika Elgeti atmet tief durch. Seit Sonnenaufgang schon erntet die Landwirtin in Ikendorf vor den Toren Rostocks Petersilie. "Der Duft der ätherischen Öle verleiht mir ständig neue Kraft", sagt die einzige Petersilienanbauerin weit und breit und schneidet - Wurzel für Wurzel - alle Stiele ab. Ein großes Warenhaus in der Nachbarschaft hat einige Hundert Bunde der Vitaminspender bestellt. Monika Elgeti beginnt mit dem Aussortieren: die saftig grünen Stiele in der rechten Hand, während die welken auf dem Acker landen. Jeweils zehn bis zwölf Stiele, das sind ungewogen genau 50 Gramm, ergeben ein Bund. Zum Schluss noch ein Gummiband drum - fertig. Fünf Bunde ergeben einen Strauß, so verlangt es der Handel. Und weiter geht es in gebückter Haltung durch die Petersilienreihen. Eine Arbeit, die ins Kreuz geht und wohl auch deshalb kaum noch Mitstreiter findet.

Allein Thomas Dreyer von der Agrargenossenschaft Crivitz (Landkreis Ludwigslust-Parchim) hält noch mit. Insgesamt werden in Crivitz etwa 30 verschiedene Gemüsesorten angebaut: neben Petersilie auch Spitzkohl, Chinakohl, grüner Blumenkohl und Romanesco. All das ist "Made in Meck-Pom" eher selten. "Wir brauchen für unsere Wochenmärkte aber das komplette Programm", sagt er.

Auch in Ikendorf stehen neben Petersilie noch Rot- und Weißkohl, Wruken und sogar Dill im Feld. "Den zu kultivieren, ist besonders schwierig. In diesem Sommer hat uns die Trockenheit zu schaffen gemacht", meint Monika Elgeti hoffnungsvoll. Kurz vor Zehn am Vormittag hat sie ihre Petersilienernte für diesen Tag beendet. Ehemann Herwig wartet bereits, um die Sträuße zum Warenhaus ins benachbarte Roggentin zu fahren. Bestellt hat die Lieferung Globus-Geschäftsleiter Frank Meißler. "Besser geht es nicht. Morgens geerntet, mittags bei uns - und dann sofort ab in die Regale. Bis zum Abend ist alles verkauft", sagt er.

Klaus Wilke, Geschäftsführer der Erzeugerorganisation Mecklenburger Ernte, weiß um die Probleme mit Nischenerzeugnissen. "Das rechnet sich für die Unternehmen oft einfach nicht. Viel Handarbeit, und am Ende gibt es wenig Geld", sagt Wilke, der mehr als 20 Gemüseanbauer zu seinen Vertragspartnern zählt. Darunter sind Lieferanten von Lauchzwiebeln, Knollensellerie, Fenchel, Pastinaken, Spargoli oder Topinambur.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen