Demografiewandel : Knast für kriminelle Rentner

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Ministerium plant Senioren-Abteilung in JVA-Bützow

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06. Januar 2018, 05:00 Uhr

Der demografische Wandel macht auch vor Gefängnistoren nicht halt. Der Anteil der Senioren im Alter über 60 Jahren unter den Häftlingen in Mecklenburg-Vorpommern hat sich in den vergangenen zehn Jahren laut Schweriner Justizministerium fast verdreifacht. Justizministerin Katy Hoffmeister (CDU) will darauf reagieren. „Es gibt Überlegungen, ältere Gefangene in einer eigenen Abteilung gemeinsam unterzubringen, um deren besonderen Bedürfnissen besser gerecht werden zu können“, bestätigte ihr Sprecher Tilo Stolpe gestern gegenüber unserer Redaktion.

Konkrete Pläne seien dafür in Vorbereitung. Danach soll die besondere Abteilung für Senioren in der Justizvollzugsanstalt Bützow eingerichtet werden. „Wegen der dortigen medizinischen Abteilung“, so Stolpe. Zu den Besonderheiten einer Senioren-Abteilung gehören, Barrierefreiheit, ausschließliche Unterbringung in Einzelzellen, extra geschultes Personal, ein anderer Tagesablauf und mehr Besuchsmöglichkeiten durch Angehörige.

 

Anders als bei jüngeren Strafgefangenen gehe es nicht mehr darum, die Insassen in Ausbildung oder Beruf zu bringen. Die Prioritäten würden vielmehr auf der Verstärkung des Kontakts zur Familie liegen, erklärte der Sprecher. Wichtig sei zudem der Erhalt der körperlichen Mobilität im Gefängnisalltag.

Aktuell sind nach Angaben des Justizministeriums 24 Strafgefangene in Mecklenburg-Vorpommern älter als 60 Jahre – das entspricht einem Anteil von drei Prozent an der Gesamtzahl aller Insassen. Der älteste von ihnen hat das 78. Lebensjahr bereits überschritten.

Zum Vergleich: Anfang 2008 waren neun Strafgefangene im Alter über 60. Das war damals ein Anteil von 0,8 Prozent.

Der Trend spiegelt sich auch in der Kriminalitätsstatistik wieder. Im Jahr 2016 ermittelte die Polizei gegen 3937 Tatverdächtige im Seniorenalter – 2008 waren es noch 3242. Zu den häufigsten Senioren-Straftaten gehören
Betrug, Sachbeschädigung, Ladendiebstähle, Körperverletzung und Nötigung.

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