Demokratie : Klischees und Vorurteile

Gleich hinter der NPD hat die AfD die meisten Anhänger mit rechtsextremen Ansichten.  Grafik: dens / QUELLE: FES
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Gleich hinter der NPD hat die AfD die meisten Anhänger mit rechtsextremen Ansichten. Grafik: dens / QUELLE: FES

Ressentiments gegen Asylbewerber und Arbeitslose weit verbreitet / Rechtsextreme Einstellungen leicht rückläufig / AfD zieht rechte Klientel auf sich

Arbeitslose sind doch nur faul und viele Asylbewerber kommen aus sozialen Gründen nach Deutschland – solche Vorurteile gegen bestimmte Gruppen wie Asylbewerber oder Langzeitarbeitslose sind in der Bevölkerung weit verbreitet. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung hervor, die gestern in Berlin vorgestellt wurde. Eine Gruppe fällt dabei besonders auf: AfD-Sympathisanten.

Explizit rechtsextreme Einstellungen sind in den vergangenen Jahren demnach deutlich weniger geworden und auf einem neuen Tiefstand. Nur 7,5 Prozent der Deutschen sind laut Untersuchung ausländerfeindlich. Einer der Studienautoren, der Bielefelder Sozialpsychologe Andreas Zick, sagte, der Rückgang sei erfreulich und gehe wohl zurück auf politische Bildungsarbeit und die gesellschaftliche Aufarbeitung der Verbrechen der rechten Terrorzelle NSU.

Noch immer gut zehn Prozent der Bevölkerung meinen allerdings, der Nationalsozialismus habe auch seine guten Seiten gehabt – und Deutschland bräuchte einen „Führer“, der das Land „zum Wohle aller mit starker Hand regiert“. Die Studienautoren glauben, möglicherweise scheuten sich manche Bürger nach dem NSU-Schock auch schlicht, rechte Haltungen offen zu äußern.

Trotz des allgemeinen Rückgangs rechtsextremer Einstellungen in der Bevölkerung mahnen die Autoren: Rechte Haltungen machten sich zunehmend in subtileren Formen bemerkbar. Zu beobachten sei insgesamt eine Verlagerung weg von offensiven rechten Positionen hin zu „softeren“ Ausdrucksformen – wie dem Pochen auf Vorrechte etablierter Gruppen und der Abwertung bestimmter anderer Gruppen.

So stimmen rund 60 Prozent der Bürger der Aussage zu: „Wer irgendwo neu ist, sollte sich erst mal mit weniger zufriedengeben.“ Mehr als 60 Prozent meinen nicht, dass der Staat großzügig bei der Prüfung von Asylanträgen sein sollte. Mehr als 40 Prozent sind der Ansicht, die meisten Asylbewerber würden in ihrer Heimat gar nicht verfolgt.

Langzeitarbeitslosen schlagen ebenfalls starke Ressentiments entgegen. Fast die Hälfte der Bürger unterstellt ihnen, sie seien nicht wirklich interessiert daran, einen Job zu finden. Mehr als 60 Prozent finden es „empörend, wenn sich die Langzeitarbeitslosen auf Kosten der Gesellschaft ein bequemes Leben machen“. Zick sagte, es gebe einen rabiaten „marktförmigen Extremismus“ in Deutschland, der ausgeprägtem Effizienzdenken folge. Menschen, die nicht so viel für die Gesellschaft leisteten, sondern eher Kosten verursachten, stießen in dieser Denkweise auf Ablehnung. Besonders verbreitet sei ein solcher Fokus auf Wettbewerb und die Vormacht des Stärkeren unter Anhängern der eurokritischen Partei AfD.

Auf dem zweiten Platz hinter der NPD-Anhängerschaft findet sich demnach auch unter AfD-Wählern eine überdurchschnittlich hohe Zustimmung zu Ausländerfeindlichkeit, Chauvinismus und Verharmlosung des Nationalsozialismus.

Auch anderen Gruppen gegenüber – wie Muslimen oder Sinti und Roma – gibt es laut Studie verbreitete Vorbehalte in Deutschland. Etwa 38 Prozent der Bevölkerung meinen, Sinti und Roma neigten zu Kriminalität. Fast 20 Prozent finden, Muslimen sollte die Zuwanderung nach Deutschland untersagt werden. Was den Machern der Studie ebenfalls Sorgen bereitet: Etwa die Hälfte der Befragten meinen, Rechtsextremismus werde in den Medien „hochgekocht“ und es wäre am besten, die Rechten gar nicht zu beachten. Die Autoren mahnten jedoch, den Rechtsextremismus zu ignorieren, sei keineswegs eine Lösung.

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