Hansa Rostock : Klinkmann verlässt die Brücke

Tritt heute als Aufsichtsratschef ab: Professor Horst Klinkmann
Tritt heute als Aufsichtsratschef ab: Professor Horst Klinkmann

Eine neue Epoche wird heute beim FC Hansa Rostock eingeläutet. Die Wahl des Aufsichtsrates durch die Mitgliederversammlung ist keineswegs nur eine personelle Weichenstellung für die nächsten vier Jahre, sondern ein Generationswechsel. Professor Horst Klinkmann, der seit der Installation eines Aufsichtsrates im Rostocker Club dessen Vorsitzender ist, tritt nicht wieder an. Im Stichwort-Interview mit Dietmar Tahn philosophiert er über Geschichte und Zukunft des FC Hansa.

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26. November 2008, 09:01 Uhr

Bilanz
Meine Verantwortung für den FC Hansa begann eigentlich am 28. Dezember 1965. Ich glaube, es gibt nicht mehr viele Gründungsmitglieder. Als mit der Wiedervereinigung Deutschlands die neue Herausforderung kam, mit Hansa in der Bundesliga zu spielen, haben wir den Club als Wirtschaftsrat und dann nach der Neustrukturierung als Aufsichtsrat begleitet. Bei mir sind es zwölf Jahre in diesem Kontrollorgan ohne Unterbrechung geworden. In unsere Zeit fällt der Bau des neuen Ostseestadions, die Beschaffung von Bürgschaften und auch die Vermietung der Namensrechte an unserer Arena. Gerade zu diesem Punkt will ich noch einmal feststellen: Ohne diesen Schritt wäre es zu großen wirtschaftlichen Turbulenzen beim FC Hansa gekommen.

Abschied
Ich habe mich mit dem Gedanken, nicht mehr als Aufsichtsratsvorsitzender zu fungieren, sehr lange beschäftigt. Eigentlich wolle ich ja schon früher Schluss machen. Durch den Tod meines Stellvertreters Wolfgang Holz ging das nicht. Ich sage ganz deutlich, dass er noch immer eine Lücke hinterlässt, die kaum zu schließen ist. Für Wolfgang Holz war der FC Hansa ein riesiges Stück seines Lebens. Durch seine robuste Art sorgte er für Dampf, ich konnte dann diplomatisch nachwaschen. Unbedingt zu erwähnen ist das finanzielle Engagement von Wolfgang Holz, der aufgrund seiner wirtschaftlichen Kraft Hansa oft aus der Klemme helfen konnte.

Wenn ich mich jetzt noch einmal für eine Kandidatur hätte breitschlagen lassen, dann wäre das mit einem Versprechensbruch gegenüber meiner Frau Hannelore verbunden gewesen. Sie hat ja in den Jahren vieles mitgetragen. Ganz ehrlich, ich möchte mir jetzt Fußballspiele des FC Hansa ansehen, ohne dass ich mich um Protokollfragen oder um Erklärungen kümmern muss.

Zweitens hat dies etwas mit Ehrlichkeit zu tun. Denn ich müsste Ja sagen für vier Jahre.

Zukunft
Ich bleibe dem FC Hansa erhalten, denn ein Großteil meines Herzens ist und bleibt dieser Verein. Mein Leiden mit und meine Freude über ihn sind von einer Funktion völlig unabhängig. Es steht ja auf der Mitgliederversammlung die Abstimmung zum Vorschlag, ob ich Ehrenvorsitzender werden soll. Das ist für mich eine hohe Ehre. Ich könnte ja jetzt zur großen Schar all jener wechseln, die immer alles besser wissen. So kommt es aber nicht. Ich stehe bereit, wenn ich gefragt werde. Von selbst mische ich mich aber keineswegs ein.

Finanzen
Die wirtschaftliche Situation des FC Hansa wird sich sicher in absehbarer Zeit nicht grundlegend verändern. In den zurückliegenden zwölf Jahren machte ich sehr viele Höhen und Tiefen auf diesem Gebiet mit. Wir sind auch in bedenkliche finanzielle Täler gekommen, konnten uns aber durch gemeinsame Anstrengungen mit den Sponsoren immer wieder retten. Für die Zukunft muss in diesem Bereich sehr hart gearbeitet werden, damit Hansa einigermaßen konkurrenzfähig bleibt. Ich denke, dass allen in Politik und Wirtschaft klar sein sollte, dass Hansa eine unikate Marke von Mecklenburg-Vorpommern ist. Dieses Flaggschiff benötigt aus diesem Bereich mehr Unterstützung.

Fans
Wir habe Anhänger, die super sind, weil sie ihr letztes Hemd für den Verein geben. Leider mussten wir uns in den vergangenen Jahren viel zu oft mit Ausschreitungen von Leuten beschäftigen, die sich als Fans des FC Hansa bezeichnen. Wir haben allein in jüngster Vergangenheit dafür ca. 200 000 Euro an Strafen zahlen müssen. Dieses Geld fehlt natürlich auch im sportlichen Bereich.

Verein
Die Profimannschaft ist nur ein Teil des Clubs. Die Zukunft des FC Hansa liegt in seiner Nachwuchsarbeit. Wir haben derzeit außer der Zweitliga-Truppe üner 30 Teams, für die Verantwortung zu tragen ist. Hinzu kommen Arbeitsplätze wie die von Trainern und Mitarbeitern in der Geschäftsstelle.

Trainer
In meine Amtszeit fallen sieben Trainer-Wechsel. Drei sind von sich aus gegangen, der Rest wurde entlassen. Das ist immer eine emotional sehr belastende Aufgabe, weil man ja den Menschen an sich nicht wegschicken will. Manchmal wäre mir die Variante, die Mannschaft oder Spieler rauszuschmeißen und den Coach zu behalten, viel lieber gewesen.

Frank Pagelsdorf
Er hat für den FC Hansa einen ganz speziellen, besonderen Stellenwert. Seine Verdienste sind sehr groß. Keinem von uns, die über seine Beurlaubung entschieden, ist das leicht gefallen. Ich hätte lieber ein paar Spieler gefeuert, aber das Fußball-Geschäft läuft anders.

Dieter Eilts
Ich hoffe, dass es unserem neuen Trainer rasch gelingt, den Gemeinschaftssinn in die Truppe zu bringen. Das Vertrauen hat er. Sein erstes Anpacken stimmt optimistisch. Bei jedem einzelnen unserer Fußballer sollte Nachdenken einziehen. Beispielsweise darüber, dass er seinen eigenen Stellenwert nur mit dem Team voranbringen kann.

Neuer Aufsichtsrat
Es ist erfreulich, dass sich 32 Kandidaten für die Wahl in den Aufsichtsrat zur Verfügung stellten. Das spricht auch für unseren Verein. Schwierig war es für die Wahlkommission auf jeden Fall, zwölf Bewerber für die Abstimmung zu benennen. Ich bin froh, dass sich mit Adalbert Skambraks und Holger Stein zwei der bisherigen Aufsichtsräte erneut um Plätze bemühen. Eines weiteren Kommentars oder einer Einzelkritik möchte ich mich enthalten. Die Mitgliederversammlung weiß, was alles von dieser Wahl abhängt.

Die Anforderungen an den künftigen Aufsichtsrat sind gerade jetzt wegen der sportlichen Situation enorm hoch. Das neu gewählte Gremium hat Stabilität für den Verein zu garantieren. Die Mitglieder des Aufsichtsrates müssen bereit sein, dem Verein in jeder Hinsicht zu dienen.

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