Andrea Nahles : Klinkenputzen mit Honig

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (Mitte) unterstützt Frank Junge beim Kampf um Stimmen.
Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (Mitte) unterstützt Frank Junge beim Kampf um Stimmen.

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles geht mit SPD-Kandidat Frank Junge in Lübz von Tür zu Tür

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21. September 2017, 12:00 Uhr

„Nicht erschrecken! Nicht erschrecken!“, sagt Frank Junge (SPD), als die Tür im zweiten Obergeschoss in dem Neubaublock in Lübz aufgeht. Die Rentnerin auf der anderen Seite erschrickt trotzdem. Vor ihr steht nicht nur der Bundestagskandidat, sondern auch Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD). Beide sind mit Broschüren, Stiften und einem breiten Lächeln bewaffnet.

„Wir würden uns freuen, wenn Sie uns Ihre Stimme geben“, sagt Nahles und reicht der Rentnerin einen Flyer mit Kugelschreiber durch den Türspalt. Dann kommt Junges Einsatz. Aus seiner roten Kapuzen-Jacke mit der Aufschrift „Unser Junge für Berlin“, zieht er ein kleines Gläschen. „Und ich wollte Ihnen noch ein bisschen Honig ums Maul schmieren.“ Die Rentnerin schaut skeptisch. „Das war’s schon?“, fragt sie. „Na wenn Sie noch mehr wollen: Jetzt sind wir hier und Sie können mal richtig loslegen“, sagt Nahles. Die Rentnerin will nicht. Weiter geht es zur nächsten Tür.

Vier Tage sind es noch bis zur Bundestagswahl. Laut Umfrage wissen knapp 40 Prozent der Bürger noch immer nicht, bei wem sie am Sonntag ihr Kreuz setzen sollen. Um die Entscheidung zu erleichtern und Frank Junge bei seinem Kampf um den Einzug in den Bundestag zu unterstützen, ist Nahles extra aus ihrem Heimatwahlkreis in der Eifel angereist. Gemeinsam mit Junge zog sie am Dienstagabend in dem 6000-Seelen-Städtchen Lübz von Tür zu Tür.

„Frank Junge kann ich bedenkenlos empfehlen“, wiederholt Nahles immer wieder. Junge punktet mit seinem Honig von EU-Bienen und Nicht-EU-Bienen, wie auf dem Glas steht. Einer will gleich drei Gläser. Die bekommt er. Eine andere will lieber ein Blinklicht für die Enkel. Auch das wird organisiert. Fragen werden kaum gestellt. „In MV wollen die Menschen mit mir lieber über ihre Türdekoration reden, in Nordrhein-Westfalen oder Hessen wird man mehr zu politischen Themen befragt“, sagt Nahles. Sie hat Erfahrungen im Klingel-Marathon. Bei der Wahl 2013 wollte ihre Partei mit der Aktion „SPD klopft an“ Millionen potenzielle Wähler erreichen.

Tür auf, Tür zu. Trepp auf, Trepp ab. Eine Stunde lang. Nicht jeder ist an einem Gespräch interessiert. An der nächsten Klingel witzelt Nahles: „Ich hoffe, wir sehen nicht aus, wie Vertreter von Zeugen Jehovas.“ Im Aufgang riecht es nach Bratkartoffeln. Im Fernsehen verabschiedet sich gerade das Sandmännchen. Nicole Bergmann macht auf. „Ich kenne Sie! Ich habe Sie schon einmal im TV gesehen“, ruft die Mutter von zwei Kindern. Sie ist ganz aufgeregt. „Jetzt siehst du mal zwei Politiker auf einen Schlag“, sagt sie zu ihrer Tochter.

Junge macht Erdmann auf das Familien- und Bildungsprogramm der SPD aufmerksam. Sie möchte lieber über die Verkehrssituation in Lübz reden. Die Temposünder würden auch vor Schulen und Kindergärten rasen, klagt die Mutter. Nahles fasst es zusammen: „Die rasen wie die Säue.“ Ein kleiner Fauxpas. „Solche Wörter versuche ich vor meinen Kindern eigentlich zu vermeiden“, weist Erdmann die Ministerin zurecht. Auch das ist Bürgernähe.

Nahles zeigt Verständnis. Sie selbst ist Mutter einer sechsjährigen Tochter. Frank Junge glättet die Wogen mit einem Glas Honig. „Den können Sie sich morgen auf ihr Brot schmieren und an das Gespräch von heute denken.“ Erdmann zumindest freut sich. Schnell macht sie noch ein Foto von den Berühmtheiten vor der Tür.

Dann geht es weiter. Trepp auf, Trepp ab. Ob der Honig wirkt, wird sich dann am Sonntag zeigen.

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