Rostock : Klinge traf das Opfer mitten ins Herz

In Handschellen wird David N. in den Gerichtssaal geführt. Er sitzt seit dem 25. Januar in Untersuchungshaft. Sein Verteidiger, Rechtsanwalt Thomas Piehl, kündigte eine Erklärung seines Mandanten für den zweiten Prozesstag an. Foto: Georg Scharnweber
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In Handschellen wird David N. in den Gerichtssaal geführt. Er sitzt seit dem 25. Januar in Untersuchungshaft. Sein Verteidiger, Rechtsanwalt Thomas Piehl, kündigte eine Erklärung seines Mandanten für den zweiten Prozesstag an. Foto: Georg Scharnweber

David N. betritt ohne Scheu den Gerichtssaal. Sein Gesicht versteckt er auch dann nicht, als ihn die Fotografen bestürmen. David N. soll am 24. Januar dieses Jahres "einen Menschen getötet haben, ohne Mörder zu sein".

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12. Juli 2012, 10:00 Uhr

Rostock | David N. betritt ohne Scheu den Gerichtssaal. Freimütig sieht er sich um. Sein Gesicht versteckt er auch dann nicht, als ihn die Fotografen bestürmen. David N. soll am 24. Januar dieses Jahres "einen Menschen getötet haben, ohne Mörder zu sein". Das legt ihm die Rostocker Staatsanwaltschaft zur Last. Vor der 3. Großen Strafkammer des Landgerichts wurde gestern die Hauptverhandlung gegen den 29-jährigen Rostocker eröffnet. Der Vorwurf lautet Totschlag. David N. soll einen 47-Jährigen mit einem Brotmesser erstochen haben.

Aufmerksam verfolgt David N. das Verlesen der Anklageschrift. Er habe am 24. Januar 2012 in der Wohnung von Heidemarie V. (48) in der Albert-Einstein-Straße in der Rostocker Südstadt gemeinsam mit dem späteren Opfer Michael H. (47) gefeiert. Dabei soll reichlich Alkohol geflossen sein. Im Verlauf der Feier sei es zu einem Streit gekommen, der so eskalierte, dass Michael H. aus Angst vor dem Angeklagten das Wohnzimmer verließ und vom Bad aus die Polizei verständigte.

Der Notruf ging um 22.22 Uhr bei der Polizei ein. Als das spätere Opfer dann in die Wohnstube zurückkehrte, habe der Angeklagte ohne Vorwarnung ein auf dem Wohnzimmertisch liegendes Brotmesser mit einer 20 Zentimeter langen Klinge ergriffen und zugestochen.

Das Messer trifft Michael H. in die linke Brust, dort wo das Herz sitzt. Damit habe er den Tod des Opfers zumindest billigend in Kauf genommen, sagt die Staatsanwaltschaft. Michael H. erlitt schwere Stichverletzungen an Herz und Lunge. Er verblutete innerhalb weniger Minuten am Tatort. Michael H. starb, noch bevor die Polizei und die medizinische Hilfe eintrafen. David N. sitzt seit dem 25. Januar 2012 in Untersuchungshaft. Er hat sich bisher zum Tatvorwurf nicht geäußert. Auch in der gestrigen Hauptverhandlung war er nicht bereit, sich zu seiner Schuld zu bekennen, die Tat abzustreiten oder überhaupt irgendwelche Aussagen zu machen. Es war lediglich zu erfahren, dass er in Ludwigslust geboren wurde und jetzt durch die Verhaftung auch seine Rostocker Wohnung verloren habe.

Wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, hat David N. eine psychiatrische Begutachtung im Vorfeld strikt abgelehnt. Sein Verteidiger kündigte gestern jedoch an, dass er eine Erklärung seines Mandanten zur Tat vorbereiten werde, die am kommenden Verhandlungstag, am 2. August, verlesen werden soll. Diese solle auch Aufschlüsse über die Person David N. liefern.

Damit endete der erste Prozesstag, der alles in allem genau 18 Minuten gedauert hatte. Die 3. Große Strafkammer legte als einen weiteren Verhandlungstermin zusätzlich den 15. August fest.

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