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Meisterschaft im Feuerwehrsport Rostock : Klettern, Spritzen, Schläuche rollen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Bei den deutschen Meisterschaften im Feuerwehrsport in Rostock treten die besten Männer und Frauen ihres Fachs gegeneinander an

Jeder Fingernagel trägt eine andere Farbe. Julia Schmidt legt einen Finger nach dem anderen akkurat an die Startlinie. Es ticken die letzten Sekunden vor dem Start bei den deutschen Meisterschaften im Feuerwehrsport. Dann fällt der Schuss für den Vorlauf beim Hakenleiterklettern im Rostocker Stadthafen: Schmidt sprintet 32 Meter, legt die Leiter an – und ist 11 Sekunden später vier Meter höher und damit am Ziel. Es ist das erste Mal, dass Frauen in dieser Disziplin bei einer deutschen Meisterschaft starten.

Schmidt gehört zum Damen-Team Mecklenburg-Vorpommern – eine von 186 Mannschaften, die bis Sonnabend gegeneinander antreten und aus allen Ecken der Republik in die Hansestadt angereist sind. Einige von ihnen arbeiten in den Berufsfeuerwehren, andere in den Freiwilligen Wehren, dritte trainieren nur den Feuerwehrsport, sagt die Sprecherin des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV), Silvia Darmstädter. „Manche machen auch beides: Einsätze fahren und Sport.“ Der Sport umfasse all das, was gute Feuerwehrleute mitbringen müssen: Fitness, Gewandtheit und Teamgeist.

Während die Zuschauer auf der Tribüne die kletternden Frauen beklatschen und trommeln, lassen zwölf durchtrainierte Männer vom Team Sachsen ihre Hüften kreisen. In wenigen Minuten müssen sie die Hakenleitern hinauf, aber auf 14 Meter. „Dieser Sport ist mal was anderes“, sagt Team-Chef Christian Lehmann. Der 35-Jährige aus Taura im Kreis Torgau ist seit 1996 bei der Freiwilligen Feuerwehr seines Ortes und gehört zu den besten Athleten in dieser Randsportart. „Das ist einerseits ein Teamsport, aber zugleich zählt auch der Einsatz des Einzelnen“, sagt er – etwa beim 400-Meter-Hindernislauf, wo Hürden mit Schläuchen und Helmen genommen werden müssten.

Es ist das erste Mal, dass die Deutschen Feuerwehr-Meisterschaften nach Rostock kommen. Der Wettkampf soll auch um Nachwuchs werben, sagt Verbandssprecherin Darmstädter. Deutschlandweit gab es 2013 laut Verband 1,3 Millionen Feuerwehrleute, davon gut eine Million freiwillige Mitarbeiter und 245 000 Mitglieder bei Jungfeuerwehren. „Wir haben nicht das Problem, dass keine Kinder Interesse haben“, sagt Darmstädter. „Aber wenn sie dann ihre Ausbildung starten, ziehen sie um oder haben schlicht keine Zeit mehr für die Feuerwehr.“

Plötzlich fließen die Tränen. Julia Schmidt hat nach dem Hochklettern nicht die Kontaktplatte fest genug getreten: Ihre Zeit wurde deshalb nicht gestoppt. „Schade, aber noch ist nicht alles verloren“, sagt sie. Dann gratuliert sie ihrer Teamkollegin Annekathrin Daßler aus Nienhagen. Die hat gerade mit 8,18 Sekunden einen neuen deutschen Rekord im Hakenleiterklettern aufgestellt. Heute und am Sonnabend müssen die Frauen und Männer dann Löscheinsätze und Hindernisparcours im Leichtathletik-Stadion meistern. „Wichtig ist, dass wir hier dabei sind“, sagt Schmidt und lächelt schon wieder.

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erstellt am 28.Jul.2016 | 21:00 Uhr

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