Prozess : Kleinkrieg unter Landwirten vor Gericht

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Zwei Beobachter, die auffallend zufällig am Tatort waren. Ein Zeuge, der sich an nichts erinnern kann und einiges mehr kam ans Licht.

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04. März 2015, 20:45 Uhr

Zwei Beobachter, die auffallend zufällig am Tatort waren. Ein Zeuge, der sich an nichts erinnern kann. Ein Angeklagter, dessen Alibi gleich von zwei sehr guten Bekannten lückenlos bestätigt wird. Vor dem Landgericht Schwerin wird über die Auswüchse eines Kleinkriegs unter Landwirten verhandelt.

Dabei kam nebenbei ans Licht, dass nachts auf dem platten Land im Südosten Mecklenburgs keineswegs immer himmlische Ruhe herrscht.

Landwirt A. ist wegen schweren Eingriffs in den Straßenverkehr und Fahrerflucht angeklagt. Er soll Ende August 2013 kurz nach Mitternacht auf einem abgelegenen Wirtschaftsweg mit seinem lauten, robusten Pick-Up-Truck ein Auto dreimal von hinten gerammt haben, um es von der Straße zu schieben. In dem Wagen saßen zwei Mitarbeiter eines Agrar-Unternehmens, mit dem A. im Streit lag.

Das Amtsgericht Parchim sprach A. 2004 frei. Zwar sei dessen Pick-Up-Truck an der Karambolage beteiligt gewesen. Wer ihn fuhr, konnte das Gericht nicht feststellen. Weil die Staatsanwaltschaft das Urteil nicht akzeptierte, landete der Fall vor dem Landgericht.

In dem Kleinkrieg unter Landwirten ging es keineswegs um „’nen Appel und ’n Ei“. Angeblich hatte der Lohnunternehmer auf den Feldern A’s einen Schaden von 47 5000 Euro angerichtet. Weil er dafür nicht einstehen wollte, behielt A. eine teure Landmaschine des anderen als Pfand ein. Als diese ihm eines Abends dennoch blitzschnell vom Hof geholt wurde, eskalierte offenbar die Situation. Am Ende gab es eine wilde Verfolgungsjagd, die auf einem Wirtschaftsweg endete.

Der Fahrer des gerammten Autos konnte sich überraschenderweise gestern an nichts mehr erinnern. Was er an dem Abend gemacht habe, fragte die Richterin. „Keine Ahnung.“ In was für einem Auto er unterwegs war? „Keine Ahnung.“ Die drei Rammstöße des Pick-Ups? „Keine Ahnung.“ Er sei halt „nicht der hellste Kopf“, räumte er ein.

Zwei seiner Chefs hatten vor dem Amtsgericht ausgesagt, sie hätten A. als Pick-Up-Fahrer erkannt, als sie – rege wie sie sind – nachts noch geschäftlich unterwegs waren und die Verfolgungsjagd zufällig beobachteten. Danach seien sie ebenso „zufällig“ am Unfallort vorbeigekommen. Das Amtsgericht schenkte ihnen keinen Glauben.

Zu diesem Zeitpunkt will der Angeklagte längst auf der Couch gelegen haben, während seine Lebensgefährtin und deren Bruder stundenlang über den Streit mit dem Lohnunternehmer diskutierten; was von beiden mit sehr ähnlichen Worten bestätigt wurde. Im offenen Pick-Up-Truck stecke stets der Zündschlüssel. Damit konnte jeder Mitarbeiter des Hofes fahren, bestätigten die drei unisono. Am Montag könnte ein Urteil fallen. Nach derzeitigem Stand erscheint eine Verurteilung A’s als eher unwahrscheinlich.

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