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Mecklenburg-Vorpommern : Kleingärtners Not: Kläranlage statt neuer Beete

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Kleingärtner haben es nicht leicht. Verregnete Sommer, lange Winter oder Nachwuchssorgen. Auch der Streit um das Abwassers scheint noch nicht vergessen. Kommt jetzt der Nachttopf in der Laube wieder zu Ehren?

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erstellt am 29.Apr.2013 | 10:23 Uhr

Schwerin/Rostock | Erst vor wenigen Tagen begann in den mehr als 70 000 Kleingärten Mecklenburg-Vorpommerns das Gartenjahr 2013. Die Beete sind umgegraben, Grünes ist noch kaum zu sehen. Doch viele Kleingärtner haben tiefe Löcher gegraben und ihre Abwasseranlage runderneuert. Hintergrund ist eine neue Abwasserregelung, die ab 2014 greift und für viel Unmut sorgt. Etwa 80 Prozent der Kleingärtner haben sich auf die neue Situation eingestellt, sagte der Geschäftsführer des Landesverbands der Gartenfreunde MV, Dieter Steffens. Zur Auswahl stehen unter- oder oberirdische abflussfreie Behälter oder mobile Komposttoiletten. Sickergruben sind vom nächsten Jahr an verboten.

Noch immer aber sind viele Kleingärtner sauer, hält Michael-Günther Bölsche, Vorsitzender des Regionalverbandes Parchim, dagegen. Landesweit waren 36 000 Unterschriften gegen das neue Gesetz gesammelt und an Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) übergeben worden. "Doch es hat nichts geholfen", bedauerte Bölsche. Der Minister hatte die Notwendigkeit der Gesetzesänderung unter anderem mit einem Gutachten begründet, wonach sich die Gewässergüte im Bereich von Kleingärten insbesondere in den Sommermonaten verschlechtert.

Für Bölsche stellt sich eher ein prinzipielles Problem. "Die Frage ist, wer ist Kleingärtner? Der, der am Wochenende oder nachmittags ein paar Stunden im Garten ist oder der, der sich seinen Garten und das Haus zur zweiten Heimat gemacht hat?" Bölsche verweist auf das Kleingartengesetz, das besagt: Gartenlauben dürfen nicht dauerhaft bewohnt werden. "Eigentlich sollten die Häuser eher für den Regenschutz da sein." Der besondere Status der Kleingärtner werde mit solchen Gesetzesübertretungen gefährdet.

"Die Aufregung ist immer groß, wenn etwas neu ist oder bezahlt werden muss", sagte Landesfunktionär Steffens. "Jetzt schrecken die hoch, die bislang nicht ordnungsgemäß entsorgt haben." Es sei auch zu DDR-Zeiten nicht erlaubt gewesen, Fässer mit Löchern in der Erde zu haben. Insofern sei doch die Neureglung verständlich.

Nur wenige ältere Pächter hätten sich entschlossen, die rund 600 Euro nicht mehr zu investieren. "Sie haben sich zuvor mit der Aufgabe des Gartens beschäftigt", sagte Steffens. Backhaus hatte jüngst von inzwischen 3000 brachliegenden Gärten gesprochen.

"Bei uns läuft das fantastisch", sagte dagegen Erika Lachowski von den Stralsunder Gartenfreunden. Die meisten hätten früh begriffen, dass es keinen Weg an der neuen Regelung vorbei gibt.

Steffens ist sicher, dass ab 2014 kontrolliert wird und warnt vor empfindlichen Bußgeldern. Kleingärtner hätten auch die Möglichkeit, die Wasserleitung ins Haus abzuklemmen und nur den Außenanschluss beizubehalten. "Für Leute, die selten im Garten sind, ist dann die Komposttoilette die Lösung", sagte Steffens. Doch aus hygienischen Gründen ist der Nachttopf in der Hütte und das anschließende Ausleeren auf dem Komposthaufen für den Landesverband keine Lösung. Dagegen betont Regionalchef Bölsche: "Aber es ist erlaubt."

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