Leber-OP : Kleines Röhrchen mit großer Wirkung

Prof. Hauenstein in Aktion in der Radiologie.
Foto:
1 von 1
Prof. Hauenstein in Aktion in der Radiologie.

Im Kampf gegen Leberzirrhose ist die Uniklinik Rostock in Deutschland weit vorn und erfreut sich auf diesem Gebiet großer Erfolge

2003 war es, damals wurde ein zehnjähriger Junge mit einer Leberzirrhose in die Rostocker Universitätsklinik eingewiesen. Das Kind war bereits zweimal operiert worden, die Chancen standen schlecht. Prof. Dr. Karlheinz Hauenstein behandelte das Kind mit einer Methode namens „Tips“ – mit Erfolg. „Der Junge lebt heute noch ohne gesundheitliche Einschränkungen“, so Hauenstein.

Mit ihren 1,5 Kilogramm ist die Leber eines der größten Organe des menschlichen Körpers. Sie spielt eine wichtige Aufgabe im Stoffwechsel und trägt damit maßgeblich zur Entgiftung des Körpers bei. Ist sie angegriffen, besteht Lebensgefahr. So zum Beispiel bei einer Leberzirrhose. Erkrankte Menschen aus ganz Deutschland kommen an die Rostocker Universität, um mit der „Tips“-Methode behandelt zu werden. Tips bedeutet „transjugulärer intrahepatischer portosystemischer (Stent-)Shunt“ und meint eine Verbindung zwischen der Pfortader und der Lebervene durch das Lebergewebe hindurch. Die Unimedizin Rostock ist hier führend auf diesem Gebiet.

„Bei Menschen mit einer Leberzirrhose ist die Leber stark vernarbt, so dass das Blut nicht mehr durch sie hindurchfließen kann.“ erklärt Karlheinz Hauenstein, Direktor des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie an der Unimedizin. Das Blut staue sich vor der Leber, wodurch ein immenser Druck in der Pfortader entstehe. Als Folge wird das Blut durch die Venen in Speiseröhre, Magen und Darm umgeleitet. „Dadurch bilden sich Krampfadern, die zu lebensbedrohlichen Blutungen führen können.“

Mit dem Tips-Verfahren wird ein Stent, also ein medizinisches Implantat, das in Hohlorgane eingebracht wird, in die Leber gesetzt. Wie über ein Ventil wird so der Druck gesenkt und das bisher umgeleitete Blut fließt zurück in die Leber. „Die Leber ist das Laboratorium des Körpers“, sagt Hauenstein. „Sie ist für Stoffwechsel und Entgiftung zuständig. Deswegen darf das Blut nicht an ihr vorbeigeleitet werden.“

Jährlich werden an der Uniklinik Rostock mehr als 100 Eingriffe mit der „Tips“-Methode vorgenommen. Die Patienten kämen aus dem gesamten Bundesgebiet und zum Teil aus dem Ausland. Da der Eingriff Erfahrung und Routine erfordert, gibt es nicht viele Mediziner, die die Methode beherrschen. „Immer wieder melden sich Kliniken und sagen: Wenn ihr nicht operiert, stirbt der Patient“, berichtet Hauenstein.

Der Mediziner selbst hat bisher rund 3000 Tips eingesetzt, seit er das Verfahren Ende der 80er Jahre in Freiburg mitentwickelte. „Man muss wissen, was technisch möglich ist, und mit dem Material umgehen können“, sagt er. Dazu bietet er Ärzten von außerhalb die Möglichkeit, nach Rostock zu kommen und den Eingriff unter seiner Betreuung zu üben. Und er reist auch selbst durch die ganze Welt, um Kollegen das Verfahren beizubringen. Japan, Korea, Thailand, Frankreich, die Schweiz oder Dänemark – „allein in Ägypten“, sagt der Radiologiechef, „habe ich 40 solcher Eingriffe vorgenommen“.

Den größten Anteil der „Tips“-Patienten machen laut Hauenstein Alkoholkranke aus. Auch Menschen mit Hepatitis und Personen, die unter einer angeborenen chronischen Leberzirrhose leiden, kann mit dem Verfahren geholfen werden. Da die Methode ohne Narkose auskomme, sei sie auch für Patienten in schlechtem und lebensbedrohlichem Allgemeinzustand geeignet. „Von denen wären früher 20 bis 80 Prozent auf dem OP-Tisch verstorben“, sagt Hauenstein. So wird „Tips“ auch vor Lebertransplantationen eingesetzt, um die Zeit zu überbrücken, bis die Patienten ihr neues Organ erhalten. „Es gibt auch Fälle, in denen dann gar keine Transplantation mehr notwendig ist.“

Hauensteins Meinung nach müsste es Zentren geben, in denen spezielle Eingriffe tagtäglich durchgeführt werden. „Das gibt dem Patienten Sicherheit.“

Hintergrund:

Die Leberzirrhose stellt ein weit fortgeschrittenes Stadium einer  Lebererkrankung dar. Das ursprüngliche Lebergewebe wird durch Bindegewebe ersetzt. Doch diese kann die Aufgaben der Leber nicht übernehmen. Die Leber verhärtet, oberflächlich bilden sich Knoten und Narben. Ursachen für eine Leberzirrhose können zum Beispiel sein: Alkoholmissbrauch, Stoffwechsel- oder eine Virenerkrankung.

Ein ganzer Tag für die Leber

Lebererkrankungen können jeden treffen – unabhängig von Alter, Herkunft oder Lebensweise. Aus diesem Grund findet heute der 15. Lebertag statt. Ernste Beschwerden bei Lebererkrankungen treten oft erst spät auf. Umso wichtiger ist es, auf die eigene Lebergesundheit zu achten. Vermeidung von Übergewicht und zuviel Alkohol gehören ebenso dazu wie eine Kontrolle der Leberwerte durch den Hausarzt. Erhöhte Werte sind oft ein Anzeichen einer Lebererkrankung. Früh erkannt, sind die meisten Lebererkrankungen heute gut behandelbar.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen