Podium in Rothen : Kleines Dorf, große Politik

<fettakgl>Szene aus dem</fettakgl> Spanischer Bürgerkrieg:  Das Diorama von Matthias Schmeier ist in Rothen bei Sternberg zu sehen. Foto: Haescher
Szene aus dem Spanischer Bürgerkrieg: Das Diorama von Matthias Schmeier ist in Rothen bei Sternberg zu sehen. Foto: Haescher

Ist auf einem kleinen Dorf Platz für große Politik? Genauso gut wie an anderer Stelle auch. Das sagen sich Mitglieder des Vereins Rothener Hof und laden in diesen Tagen zu einem Programm nach Rothen bei Sternberg ein.

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10. Juni 2012, 03:31 Uhr

Sternberg | Ist auf einem kleinen Dorf Platz für große Politik? Genauso gut wie an anderer Stelle auch. Das sagen sich Mitglieder des Vereins Rothener Hof und laden in diesen Tagen zu einem Programm, vollgepackt mit Diskussionen, Vorträgen, Filmvorführungen und Ausstellungen, nach Rothen bei Sternberg ein. Entstanden ist ein ambitioniertes Programm, zu dem Filme wie "Wadans Welt" und "Braune Kameradin" genauso gehören wie eine Ausstellung mit den politischen Dioramen des Kölners Matthias Schmeier.

"Ein Experiment", nennt Vereinsmitglied Christian Lehsten das Podium Rothener Hof. Bisher ist der Verein nämlich vor allem mit kulturellen Veranstaltungen in die Öffentlichkeit getreten. Nun soll der Dachboden des ehemaligen Kuhstalls, in dem seit Jahren ein Begegnungsort heranwächst, Bühne für politische Diskussionen werden. Und die dürften durchaus von verschiedenen Meinungen geprägt sein: "Der Film ,Bedingungsloses Grundeinkommen’, der mit anschließender Diskussion im Programm steht, behandelt zum Beispiel ein Thema, das innerhalb der Gesellschaft konträr diskutiert wird und Widerspruch provoziert", nennt Lehsten nur einen Anknüpfungspunkt für Gespräche. Andere Inhalte sind durch das Tagesgeschehen von Brisanz wie die Aufführung des Films "Wadans Welt", topaktuell durch die Krise der P+S-Werften in Wolgast und Stralsund.

Ein Experiment ist für die Veranstalter aber auch die Tatsache, dass sie nicht in Schwerin oder Rostock zur Beschäftigung mit gesellschaftspolitischen Fragen einladen, sondern in einem Ort, der noch nicht einmal auf jeder Landkarte zu finden ist. Die Verleihung des Regine-Hildebrandt-Preises im vergangenen Jahr an den Rothener Hof sei ein Ansporn gewesen, sich auch in der politischen Bildung zu engagieren. "Ohne den Einzelnen kann ein demokratisches Gemeinwesen nicht funktionieren", ist Vereinsvorsitzende Takwe Kaenders überzeugt.

Das Gemeinwesen in Rothen ist in den zurückliegenden mehr als zehn Jahren durch den Verein gewachsen: Es gibt Kulturveranstaltungen und Märkte, Workshops für Kinder, Werkstätten und ein Café, in dem sich Nachbarn zwanglos auf ein Bier treffen. Vor zwei Jahren entstand auf dem Dachboden des ehemaligen Kuhstalls eine 400 Quadratmeter große Veranstaltungsfläche. "Wer so einen wunderschönen Raum hat, fängt natürlich an zu spinnen, was damit alles machbar ist", sagt Vorstandsmitglied Achim Behrens. Als ihn ein Zeitungsartikel über den Modellbauer Matthias Schmeier neugierig machte, luden die Rothener den Berufsschullehrer, der Brennpunkte der Geschichte im Modell festhält und so "nacherlebbar" macht, kurzerhand ein. Die Ausstellung "Vergessener Widerstand - vergessenes Leid" wird bis zum 1. Juli zehn Dioramen im Maßstab 1:35 zeigen, die unter anderem Szenen aus dem Spanischen Bürgerkrieg, einem Palästinensischen Flüchtlingslager und dem Prager Frühling darstellen. Schmeier selbst kam zur Eröffnung am Sonnabend nach Rothen.

Diese Verabredung war aber nur der Auftakt zu vielen weiteren, so dass jetzt fünf politische Themenabende stehen.

Takwe Kaenders ist überrascht und froh über die vielen Zusagen von Künstlern, Wissenschaftlern, Journalisten. So waren und sind zum Beispiel der Filmemacher Dieter Schumann, der mit "Wadans Welt" vom Niedergang der Wismarer Wadan-Werft berichtet, die Journalistin Andrea Röpke, die sich mit Nationalsozialismus und Rechtsextremismus auseinandersetzt und die Greifswalder Tagesmutter Susanne Wiest, die mit ihrer Online-Petition für ein bedingungsloses Grundeinkommen 52 973 Unterschriften sammelte, bis zum 14. Juni in dem kleinen Dorf zu Gast.

www.rothenerhof.de

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