zur Navigation springen

Landtag beschließt neues Kita-Gesetz : Kleinere Gruppen, weniger Gebühren

vom

In kaum einem anderen Bundesland besuchen mehr Kinder die Krippe und den Kindergarten als in MV. Bei der Qualität gehört der Nordosten aber nicht zur Spitzengruppe der Länder. Ein neues Kita-Gesetz soll das ändern.

svz.de von
erstellt am 20.Jun.2013 | 10:47 Uhr

Schwerin | In den Kindergärten Mecklenburg-Vorpommerns soll eine Erzieherin nur noch 16 Mädchen und Jungen betreuen. In zwei Jahren soll die Gruppengröße auf 15 Kinder verkleinert werden. Die SPD/CDU-Mehrheit im Landtag hat das Kita-Gesetz gestern entsprechend geändert. Demnach sollen die Kita-Träger ihren Mitarbeitern mindestens 8,50 Euro pro Stunde bezahlen. Die Opposition bezweifelte, dass die Landesregierung dafür genug Geld bereitstellt.

Seitens der Gewerkschaften heißt es, einige freie Träger würden den Erzieherinnen nur Niedriglöhne zahlen. Das technische Personal sei bei Fremdfirmen angestellt und bekomme deshalb noch weniger Lohn. Peter Ritter (Linke): "Das ist die Realität im Land, an der auch das Gesetz nicht viel ändert." Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD) drohte den Trägern: "Wenn einer nicht bereit ist, auch dem Koch und dem Hausmeister 8,50 Mindestlohn zu bezahlen, müssen wir überlegen, ob es der richtige Kita-Träger ist." Schließlich seien die Landeszuschüsse für die Erzieher-Löhne so bemessen, dass Betreuungszeiten inklusive Vor- und Nachbereitung sowie Urlaubsvertretung nach Tarif bezahlt werden könnten.

Das geänderte Kita-Gesetz sichert Eltern für Kinder unter drei Jahren 30 Stunden Betreuung in einer Krippe pro Woche zu. Müssen die Eltern arbeiten, steigt der Anspruch auf 50 Stunden. Auch die Absenkung der Krippengebühren um bis zu 100 Euro pro Monat wird festgeschrieben. SPD und CDU wollen zudem die Ausbildung der Erzieherinnen verkürzen und Tagesmütter finanziell besserstellen. Linkspartei und Grüne vermuteten, beides geschehe nur, um einen drohenden Mangel an qualifizierten Erzieherinnen auszugleichen, was von der SPD bestritten wurde. Eine fünfjährige Ausbildung sei heutzutage für junge Bewerberinnen nicht besonders attraktiv, so Ministerin Schwesig. Deshalb schade eine kürzere Lehrzeit nicht, wenn sie dieselben Fähigkeiten vermittelt. Der Linkspartei und den Grünen reichte es auch nicht, dass nur im Kindergarten die Gruppen verkleinert werden sollen. Wenn ein Kind mit besonderem Betreuungsbedarf vormittags vorbildlich in einer Regelschule "inklusiv" unterrichtet wird, müsse es nachmittags die Hort erzieherin weiterhin mit 21 anderen Kindern teilen, so Jacqueline Bernhardt (Linke). Da lasse Schwesig ein umfassendes Konzept vermissen. Silke Gajek (Grüne) forderte, die Krippengruppen zu verkleinern. Sechs Lütte pro Erzieherin seien "keine pädagogisch sinnvolle Ausgangslage" und entspreche nicht dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Forschung.

Ministerin Schwesig sprach von "moderner Familienpolitik", die den Familien Wahlfreiheit biete und ihnen nicht vorschreibe, wie sie zu leben haben. Linke und Grüne lobten durchaus Verbesserungen des Kita-Gesetzes, stimmten aber nicht zu. Süffisant kommentierte Torsten Renz (CDU): "Der Zug fährt auch ohne Sie in die richtige Richtung."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen