Bilanz Ehrenamtsstiftung : Kleine Unterstützung, große Wirkung

Gefragter Dienstleister: Ehrenamtsstiftung zieht nach einem Jahr positive Bilanz

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08. Juni 2016, 12:00 Uhr

Urlaub im Naturerlebniscamp Dümmer für Kinder erwerbsloser Eltern, der Einsatz von Senioren als Mediatoren in Greifswalder Schulen oder ein dreitägiger Workshop für Zukunftsprojekte auf dem Land in Bröllin: Zum Gelingen dieser und vieler weiterer Projekte hat die Ehrenamtsstiftung beigetragen. Ihr Geschäftsführer Jan Holze und Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) zogen gestern nach einem Jahr Stiftungstätigkeit eine durchweg positive Bilanz. Dazu gehören 48 Seminare und Workshops zu 26 Themen, an denen in 17 verschiedenen Orten im Land insgesamt 528 Ehrenamtler und bürgerschaftlich Engagierte teilgenommen haben. 138 Initiativen und Vereine sind individuell zu Fragen rund um das Vereinsmanagement, zu rechtlichen Fragestellungen und zur Fördermittelaquise beraten worden. In einem „einfachen und unbürokratischen Verfahren“ habe die Stiftung darüber hinaus selbst Fördermittel ausgereicht, so Holze: Seit Juni 2015 gingen 425 574,28 Euro an 432 Projekte von 392 verschiedenen Trägern.

Kleine Unterstützung, große Wirkung sei dabei das Motto gewesen – mitunter hätten schon 50 Euro die Aufnahme oder Fortsetzung ehrenamtlichen Engagements ermöglicht. „Zwischen Antragstellung und Entscheidung liegen maximal drei Wochen“, betont Geschäftsführer Holze. Es seien allerdings auch 18 Prozent der Anträge auf finanzielle Unterstützung abgelehnt worden – „wenn kein ehrenamtliches Engagement dahinter stand, die Gemeinnützigkeit nicht nachgewiesen werden konnte oder es sich um institutionelle Förderung handelte“.

Ministerpräsident Sellering betonte: „Mit der neuen Stiftung gibt es jetzt einen starken Dienstleister für die Ehrenamtlichen in Mecklenburg-Vorpommern.“ Die Zahl der ehrenamtlich Engagierten im Land sei in den letzten Jahren weiter angestiegen. Die aktuellsten Zahlen stammten aus dem Jahr 2014, zu diesem Zeitpunkt – also noch vor Gründung der Ehrenamtsstiftung – waren bereits 43 Prozent der Bevölkerung ehrenamtlich tätig.

Die Stiftung sei nach wie vor ein Prestigeobjekt des Ministerpräsidenten und ein Versuch, das Ehrenamt aus politischen Gründen zu instrumentalisieren, kritisierte der Grünen-Fraktionschef im Landtag, Jürgen Suhr. Zudem sei das Verhältnis von Mitteln fürs Personal der Stiftung und denen, die ausgereicht werden, absolut unangemessen. Von den jährlich 1,4 Millionen Euro, die das Land für die Stiftung zur Verfügung stellt, sind mehr als ein Drittel, 480 000 Euro, für die Geschäftsstelle vorgesehen. 2015 wurden Holze zufolge 180 000 Euro für Personal, 35 000 Euro für die Erstausstattung und dem gegenüber 307 000 Euro an Fördermitteln ausgegeben.

Sellering erklärte, es sei das wohl größte Missverständnis in Bezug auf die Stiftung, dass ihre Aufgabe das Ausreichen von Fördermitteln sei. Sie sei in erster Linie Dienstleister – „und dass Dienstleistungstätigkeit etwas kostet, ist doch einzusehen.“

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