zur Navigation springen

Für Diabetiker gilt: : Kleine Sünden versüßen das Fest

vom

Zuckerkranke müssen bei ihrer Ernährung nur auf die Kalorienmenge achten. Es sind keine speziellen Lebensmittel nötig. Auch nicht zum Weihnachtsfest.

svz.de von
erstellt am 22.Dez.2011 | 09:40 Uhr

Karlsburg | Wenn die Großeltern Weihnachten zu Besuch kommen, stellt sich den Gastgebern häufig die Frage: Was bieten wir ihnen zu essen an - schließlich haben sie doch Diabetes...

Prof. Dr. Wolfgang Kerner, Direktor der Klinik für Diabetes und Stoffwechselerkrankungen am Klinikum Karlsburg, hat darauf eine für viele Angehörige verblüffende Antwort: "Diabetiker brauchen keine anderen Lebensmittel als Gesunde." Und es würde auch nur noch für Typ I Diabetiker von Bedeutung sein, den Kohlenhydratgehalt ihrer Nahrung, besser bekannt als Broteinheiten, im Blick zu behalten. Diabetiker vom Typ II - sie machen 90 Prozent der Zuckerkranken aus - müssen hingegen nur auf eines achten: die tägliche Kalorienzufuhr. Denn Typ II Diabetiker sind fast immer übergewichtig - allein eine Gewichtsreduktion um wenige Kilogramm kann bei ihnen schon große Auswirkungen auf den Blutzuckerspiegel haben, so der Karlsburger Mediziner.

Versteckte Kalorien in der Ernährung aufspüren

Mit dem geradezu überbordenden Angebot an Diabetiker-Nahrungsmitteln, das Supermärkte vorhalten, erreichen sie das allerdings nicht. "Lange Zeit war es ein Tabu, daran zu rütteln, schließlich steht dahinter ein ganzer Wirtschaftszweig. Aber Tatsache ist: So wenig, wie man eine spezielle Diabetes-Diät braucht, braucht man Diabetiker-Lebensmittel", betont Prof. Kerner. Erst seit wenigen Jahren würde dies in Deutschland offen thematisiert - in anderen Ländern hätte es seit jeher keine speziellen Lebensmittel für Diabetiker gegeben. "Mittlerweile weiß man, dass diese Lebensmittel nicht nur keinen positiven Effekt auf die Gesundheit haben, sondern es ist sogar erwiesen, dass sie Nebenwirkungen haben können", so der Diabetes-Experte. Sorbit, das in Diabetiker-Süßigkeiten, aber auch in Marmeladen als Süßstoff verwendet wird, hat zum Beispiel eine stark abführende Wirkung. Das gut gemeinte Geschenk für einen Diabetiker kann diesen also für die Dauer der Feiertage auf die Toilette verbannen.

Dennoch möchte Prof. Kerner Süßstoffe nicht generell verteufeln. Unter dem Aspekt, Kalorien zu sparen, könnten Diabetiker sie durchaus verwenden - wenn sie ihnen denn schmecken. Allerdings kann ein Diabetiker, der seinen Kaffee gern süß trinken möchte, diesen auch mit Zucker süßen - er muss dann nur darauf achten, die Kalorien an anderer Stelle einzusparen.

Das Geheimnis der Diabetes-Behandlung liegt beim Typ II darin, das Gewicht zu reduzieren, betont der Mediziner. Patienten, die in Karlsburg stationär aufgenommen werden, um ihren Diabetes einzustellen, werden zwar nicht auf eine radikale Diät gesetzt. Sie nehmen als Frau pro Tag aber durchschnittlich nur 1500 kcal zu sich, als Mann etwa 1800 kcal. "Viele fürchten erst, dass sie damit hungern müssten, sagen dann aber verblüfft, dass sie durchaus satt würden", so Prof. Kerner. Würden die Diabetesberaterinnen dann allerdings genauer nachfragen und gemeinsam mit den Patienten ein Ernährungsprotokoll aufnehmen, zeige sich häufig, dass sich viele der versteckten Kalorien, die sie zum Beispiel mit Limonaden oder anderen gesüßten Getränken zu sich nehmen, gar nicht bewusst sind. Die reduzierte Energiezufuhr in der Klinik bewirkt dann nicht selten schon einen ersten Gewichtsverlust - und der wiederum eine Verbesserung der Blutzuckerwerte.

Weniger Fett, viel Obst, Gemüse und Bewegung

"Wer von uns dann wieder nach Hause entlassen wird, bekommt Empfehlungen für eine gesunde Ernährung und mehr Bewegung mit", so Prof. Kerner. Doch längst nicht jeder beherzigt diese Empfehlungen auch. "Ernährung ist kein Medikament, man kann sie nicht verordnen", so Prof. Kerner. So schaffen es letztlich nur zwischen einem Viertel und einem Drittel der Diabetiker, Ernährung und Lebensweise tatsächlich umzustellen - auch bei Gesunden ist der Anteil derer, die eine Ernährungsumstellung durchhalten, nicht größer, schätzt Prof. Kerner ein.

Ausgerechnet zu Weihnachten eine Ernährungsumstellung beginnen zu wollen, wäre bei Diabetikern ebenso kontraproduktiv wie bei Gesunden. Die Karlsburger Diabetes-Experten raten Zuckerkranken daher auch nur das, was über die Feiertage für Gesunde gilt: Fett reduzieren, viel Obst und Gemüse essen, eventuell auch mal eine Mahlzeit auslassen und - egal, wie das Wetter wird - täglich raus an die frische Luft und möglichst viel bewegen. "Kleine Sünden zwischendurch sind sowieso nicht das Problem", betont Prof Kerner. "Was hinterfragt werden muss, sind die Gewohnheiten, die man sich ein Leben lang antrainiert hat. "

Zu den Vorsätzen fürs neue Jahr darf dann auch das Abspecken gehören - aber bitte nicht als Radikaldiät. Diabetiker sollten am besten die Möglichkeit spezieller Schulungen nutzen. Sie werden nicht nur in Karlsburg, sondern auch über viele niedergelassene Diabetologen sowie von Krankenkassen angeboten.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen