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Der Uckermärker Gerald Jancke ist Bernstein-Schnitzer : Kleine Kunstwerke aus Bernstein

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Die kleine Kellerwerkstatt von Gerald Jancke in Lychen besticht durch einen würzig-harzigen Duft. Der 59-jährige ist der einzige Bernstein-Schnitzer Brandenburgs und einer der profiliertesten in ganz Ostdeutschland.

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erstellt am 27.Dez.2012 | 07:55 Uhr

Lychen | Die kleine Kellerwerkstatt von Gerald Jancke im uckermärkischen Lychen besticht zunächst durch einen unverhofft würzig-harzigen Duft. Wenn der 59-jährige sägt, schleift und bohrt legt sich zudem ein feiner, glitzernder Staub über die hölzerne Werkbank. Janckes Handwerk ist äußert filigran: In den Regalen an den Werkstatt-Wänden hängen sorgfältig aufgereiht winzige Bohrer, Schleifscheiben und Sägen, die irgendwie an das Handwerkzeug eines Zahntechnikers erinnern.

Doch der hauptberufliche Fischerei-Ingenieur ist nebenbei seit über 30 Jahren der einzige Bernstein-Schnitzer Brandenburgs und einer der profiliertesten in ganz Ostdeutschland. Obwohl die Bezeichnung "Schnitzer" eigentlich nicht korrekt ist, wie er sagt. "Mit dem Messer wird da nichts geschnitzt, das wäre viel zu grobschlächtig", schmunzelt er. Mit Hilfe der winzigen Werkzeuge sowie jeder Menge Sandpapier und Fingerspitzengefühl zaubert Jancke aus dem unscheinbarsten, stumpfen Bernstein ein glänzendes, dekoratives Kunst- oder Schmuckstück, die reißenden Absatz finden.

Während eines Ostsee-Urlaubs 1972 war bei dem passionierten Taucher das Bernsteinfieber ausgebrochen. Fünf bis zehn Kilogramm vom "Gold des Meeres" brachte er ab da jedes Jahr mit nach Hause. "Sammeln kann jeder", dachte sich der heute 59-Jährige, der bald darauf und begann, seine goldgelben Schätze individuell zu gestalten - zu Miniaturfiguren wie Tieren und Sagengestalten oder zu extravaganten Schmuckstücken. Selbst kleine Landschaftsbilder gestaltet Jancke zu etwas Besonderem:

Das Blätterkleid der Bäume ist aus winzigen Bernsteinchen kunstvoll zusammengesetzt.

"Ich versuche aus jedem Stein etwas zu machen", erklärt der Uckermärker, der eigenen Angaben nach fasziniert ist von der Farbenvielfalt des honiggelben bis rötlich-braunen Materials und in seiner Jugend eigentlich gern Malerei studiert hätte. Nur zwei bis zehn Zentimeter hoch und anderthalb bis 50 Gramm schwer sind die Figuren, jede ein Unikat in Gestaltung und Farbgebung. An einer kleinen Figur sitzt er gut vier Stunden, größere Stücke können schon mal mehrere Tage in Anspruch nehmen. Zunächst macht sich Jancke eine Zeichnung, um anschließend die Umrisse mit Bleistift auf den Bernstein zu malen. Erst dann beginnt die wahre Filigranarbeit.Inzwischen sind seine Bernsteinfiguren für "Otto Normalverbraucher" unbezahlbar geworden. "Es gibt einfach nicht mehr genügend große Rohlinge, aus denen sich diese Skulpturen schnitzen lassen", stellt Jancke klar. Deswegen verkauft er sie nicht mehr und hat sich stattdessen auf die Schmuckherstellung spezialisiert.

Damit hat er sich inzwischen einen Namen gemacht, ein Gewerbe angemeldet, um diverse Schmuckläden und Kunstmärkte in Berlin, Brandenburg und an der Ostsee mit seinen individuellen Kreationen zu beliefern."Das ist keinesfalls mehr der landläufig bekannte Omaschmuck mit den dicken Klunkern in Silberfassung", betont er. Bernstein passe in jede Moderichtung. Gefragt sei derzeit die naturbelassene Verarbeitung und Kombination mit Leder, Kautschukbändern oder Edelstahldraht. Die Palette der Janckeschen Fertigung reicht von Ketten, Ringen, Armreifen und Ohrringen über Krawattennadeln und Haarspangen bis hin zu extravaganten Anhängern und Broschen. Liebhaber des fossilen Harzes können auch bei ihm direkt eines der goldgelben Kunstwerke erstehen oder einen selbst gefundenen Stein bearbeiten lassen.

Eine besondere Sammlung aus mehr als 500 beschliffenen und polierten Steinen hütet der 59-Jährige wie seinen Augapfel. Enthalten sie doch Einschlüsse von Insekten, oftmals nur unter der Lupe zu erkennen. Von keinem der unter Sammlern begehrten Stücke will sich der Hobby-Kunsthandwerker trennen. Tochter Saskia, die in Berlin Biologie studierte, hat die fossilen Insektenarten bestimmt und ist selbst inzwischen überall auf der Suche nach organischen Einschlüssen. Mittlerweile lebt sie in Schottland und verkauft dort nebenbei auch den Bernsteinschmuck des Vaters.

Der kann vom Sammeln nicht lassen. "Das ist tatsächlich wie Fieber - man braucht Glück und Ausdauer", beschreibt Jancke. Allerdings fährt er dafür inzwischen nicht nur an die Ostsee, sondern hat auch Kontakt zu mehreren märkischen Kiesgruben, kauft den Bernstein zudem von Hobby-Sammlern auf. Jancke braucht eine Menge Rohmaterial, immerhin verarbeitet er jährlich zwischen zehn und 20 Kilogramm.

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