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AOK-Krankenhausreport : Kleine Kreißsäle in Gefahr?

vom
Aus der Onlineredaktion

AOK-Forderung nach Mindestmengen in der Geburtshilfe sorgt im Land für Verunsicherung

svz.de von
erstellt am 08.Mär.2017 | 05:00 Uhr

Eine Mindestmengenregelung auch für die Geburtshilfe: Diese Forderung aus dem aktuellen AOK-Krankenhausreport lässt vielerorts die Alarmglocken schrillen. Denn die geforderten 500 Geburten pro Jahr erreichen auch in Mecklenburg-Vorpommern längst nicht alle geburtshilflichen Stationen.

„Ginge es nach den Vorstellungen der AOK, stünden bei dieser Mindestgeburtenzahl die Kreißsäle in Waren, Anklam, Bergen auf Rügen, Crivitz und Neustrelitz demnächst auf der Streichliste“, hat Michaela Skott ausgerechnet. Sie ist Landeskoordinatorin von Mother Hood, einer Elterninitiative, die sich bundesweit für eine gute Versorgung von Mutter und Kind vor, während und nach der Geburt einsetzt. „Mindestmengen führen nachweislich nicht zu besseren Ergebnissen bei Mutter und Baby“, betont die Schwerinerin. Denn Geburten ließen sich nicht mit planbaren Eingriffen, wie Hüft- oder Knie-OPs, vergleichen. „Krankenkassen und Gesundheitspolitiker müssten stattdessen den Fokus auf die Vermeidung operativer Eingriffe, wie zum Beispiel Kaiserschnitte, legen“, fordert die Elternaktivistin.

Zuspruch bekommt sie dabei aus der CDU-Landtagsfraktion. Für deren Vorsitzenden Vincent Kokert gehen die AOK-Forderungen nach Mindestmengen in der Geburtshilfe „in die falsche Richtung“. Denn auch in ländlichen Regionen müsse eine wohnortnahe Betreuung werdender Mütter möglich sein. Zudem fehlten wissenschaftliche Nachweise, dass hohe Fallzahlen auch zu besseren Ergebnissen bei Mutter und Kind führen. „Bei einer Geburt kommt es in besonderem Maße auf Nähe und Zuwendung an, das ist nicht vergleichbar mit einer beliebigen OP“, betont Kokert, der selbst vierfacher Vater ist. Die Krankenkassen sollten daher besser über eine kontinuierliche Betreuung durch eine Hebamme als über Kreißsaalschließungen nachdenken. Während es unmittelbar nach der Wende noch 22 Geburtsstationen in Mecklenburg-Vorpommern gab, sind es gegenwärtig in den 37 Krankenhäusern des Landes nur noch 16. Als letzter war vor gut einem Jahr der Kreißsaal in Wolgast geschlossen worden. Die Proteste dagegen dauern bis heute an, nicht zuletzt, weil Schwangere aus dem östlichen Teil der Insel Usedom nun mehr als eine Stunde bis zur Entbindungsklinik unterwegs sein müssen. Das, so befürchtet Elternaktivistin Skott, könne auf dem Land in MV schon bald zum Regelfall werden.

Tatsächlich macht sich die AOK dafür stark, Mindestmengenregelungen auf weitere wichtige Indikationen wie Hüftgelenkersatz, aber auch Schilddrüsen- und Brustkrebsoperationen auszuweiten, bestätigt die Sprecherin der AOK Nordost, Gabriele Rähse. Bundesweit werde in diesem Zusammenhang auch über die Geburtshilfe diskutiert. In Flächenländern wie Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg sei aber bei aller Orientierung auf eine höhere Versorgungsqualität und mehr Patientensicherheit – laut AOK Hauptargumente für Mindestmengen – wichtig, nach wie vor eine möglichst wohnortnahe Versorgung zu garantieren. „Deshalb ist davon auszugehen, dass es hier keine Schließungen geben wird“, so Gabriele Rähse. Verschiebungen in der Krankenhauslandschaft gebe es aber garantiert: „Wenn es in ausgedünnten Regionen nicht mehr genug Patienten für den wirtschaftlichen Betrieb gibt, müssen Krankenhäuser sich neben einer klinischen Grundversorgung verstärkt in der ambulanten Versorgung engagieren.“ Zu planbaren spezialisierten Eingriffen müssten Patienten dagegen Experten-Standorte aufsuchen – „um qualitativ hochwertig versorgt zu werden, sollten diese 20 km mehr Weg aber in jedermanns Interesse sein.“

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